Triebfeder für die elektronische Signatur

März 4, 2009

Kompetenzzentrum mit Ziel der Durchsetzung im Gesundheitswesen

 

Kostengünstiger, rascher, sicherer informieren und kommunizieren: Eine Modernisierung im Bereich Dokumentenmanagement, Informationsfluss und Archivierung bietet dem Gesundheitssektor Milliarden an Einsparungen und eine Vielzahl von Prozessvorteilen. Eine wichtige Grundlage hierfür bildet die elektronische Signatur; hier mangelt es nicht an plausiblen Methoden und erprobten Lösungen, sondern an der Bereitwilligkeit zum Wandel. Die Vermittlung der Ansätze und Vorteile hat sich der Verein „Competence Center für die elektronische Signatur im Gesundheitswesen“ (CCESigG) zum Ziel gesetzt, der Anfang März in Braunschweig gegründet wurde.

 

Qualifizierte Signaturen und Zeitstempel sind laut dem deutschen Signaturgesetz eine Voraussetzung für die rechtssichere elektronische Archivierung klinischer Dokumente. Das Einsparpotential, das eine branchenweite Einführung digitaler Ansätze erschließen würde, ist beeindruckend: In Deutschland wird für die mehr als 500.000 Betten der Leistungserbringer jährlich jeweils ca. ein Meter Papier archiviert. Die Gesamtkosten für die Verwaltung und Archivierung der konventionellen Akten betragen ca. 2,5 Mrd. €.

 

Eine beweissichere elektronische Archivierung klinischer Dokumente setzt den Einsatz elektronischer Signaturen voraus. Auch andere Verfahren – wie etwa die Mikroverfilmung – bieten im Übrigen keine gesetzlich festgeschriebene Beweissicherheit. Für den Einsatz der elektronischen beweissicheren Archivierung -  auch über einen Zeitraum von 30 Jahren – haben in den letzten Jahren zahlreiche Projekte und Vorarbeiten die Basis bereitet. Ein Einsatz dieser Verfahren im Gesundheitswesen hat jedoch bislang nicht im größeren Umfang stattgefunden; Aktivitäten beschränken sich auf Einzelprojekte. Deshalb begeben sich manche Kliniken auf den unsicheren Weg der elektronischen Archivierung ohne den Einsatz elektronischer Signaturen und unter Verzicht auf eine beweissichere Archivierung. Zur Verfahrensabsicherung werden Einzelvereinbarungen mit Haftpflichtversicherungen getroffen.

 

Ziele und Aktivitäten des Kompetenzzentrums

Vor diesem Hintergrund hat sich eine Reihe von Akteuren zur Zusammenarbeit entschlossen, um eine flächendeckende Einführung der elektronischen Signatur und ihren langfristig gesicherten Einsatz im Gesundheits- und Sozialwesen voranzubringen. Dies ist auch eine wichtige Voraussetzung für die Einführung des Heilberufeausweises und der elektronischen Gesundheitskarte. – Als bundesweite Plattform für Kliniken, Institutionen und Arbeitsgruppen, Softwarehersteller, Trustcenter und Dienstleister beschäftigt sich das neu gegründete CCESigG beispielsweise mit standardisierten Schnittstellen zwischen beteiligten Komponenten, mit der Einbettung der Signatur in Prozesse oder der Klärung des Verfahrens zum ersetzenden Scannen. Folgende Maßnahmen sind geplant:

·         Einrichtung einer neutralen Plattform zur Verbreitung der elektronischen Signatur im Gesundheitswesen, die die Interessen von Arbeitsgruppen und Organisationen, Kliniken, Herstellerfirmen von Krankenhaus- und Signatursoftware, Trustcentern und Scandienstleistern bündelt.

·         Durchführung von Informationsveranstaltungen zur elektronischen Signatur im Gesundheitswesen.

·         Zur Information der Mitglieder des CCESigG wird ein Informationsdienst über Gesetzesänderungen, Standardisierungen und ablaufende Sicherheitsanforderungen eingerichtet.

·         Konzeption und Entwicklung von standardisierten Schnittstellen zwischen Langzeitarchivierungssystemen und Unterstützung der GMDS-Arbeitsgruppe Archivierung von Krankenunterlagen.

·         „Entwicklung von Best Practice-Lösungen“ für den Umgang mit der elektronischen Signatur bei der Integration in die bestehenden Prozesse im Klinikalltag.

·         Initialberatung bei der Einführung von elektronischen Signaturen.

 

Finanzieren wird sich das Kompetenzzentrum – das für weitere Mitglieder offen ist – in den ersten drei Jahren durch eine Kombination aus den Mitgliedsbeiträgen, eigenen Erlösen sowie einer Förderung durch das Land Niedersachen und die Stadt Braunschweig.

 

„Einen Markt schaffen“

Die Vorteile des Einsatzes moderner digitaler Technologien für Dokumentenmanagement, Informationsfluss und Archivierung sind in den Augen Helmut Schüttigs klar erkennbar. Der Geschäftsführer des Klinikums Braunschweig, das in Zusammenarbeit insbesondere mit der TU Braunschweig bei elektronischen Signaturen bereits eine Vorreiterrolle einnimmt, erläuterte: „Wir sind angesichts von 11 km konventionellen Akten und 2 km Befunden äußerst bestrebt, Einsparungen an Räumen, Infrastruktur und auch Personal zu erzielen. Kürzere Abläufe – weniger Telefonate, weniger Turnschuhakrobatik – werden die Effizienz steigern und auch die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter erhöhen. Es ist an der Zeit, dass die gesamte Branche dies erkennt und dazu beiträgt, dass ein tragfähiger Markt für Lösungen entsteht.“ Dr. Christoph Seidel zeigte sich „über den Zuspruch seitens Kliniken, Institutionen und der Industrie sehr erfreut.“ Anfang März, so der IT-Leiter am Klinikum Braunschweig und soeben gewählte CCESigG-Vorsitzende, „haben wir den Grundstein gelegt für die Bündelung der Aktivitäten im Bereich der elektronischen Signatur – damit in vielen Punkten Klarheit geschaffen werden kann, die heute noch Kliniken verunsichern.“ Das Geld, das bislang in die konventionelle Archivierung fließt, lässt sich künftig unter Ausnutzung des gesamten Potentials zweckdienlicher IT für die Patientenversorgung, auch intersektoral, nutzbringend verwenden.

Prägende Köpfe des CCESigG - Braunschweig, Anfang März (Foto: MR)

Prägende Köpfe des CCESigG - Braunschweig, Anfang März (Foto: MR)


Die Entscheiderfabrik macht aus IT-Leitern CIOs

Februar 25, 2009

„Unsere Entscheiderfabrik ‚produziert’ den CIO“: Dr. Pierre-Michael Meier, Leiter/Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates (Foto: MR)

„Unsere Entscheiderfabrik ‚produziert’ den CIO“: Dr. Pierre-Michael Meier, Leiter/Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates (Foto: MR)

Ergebnisse und Perspektiven vom Entscheiderevent in Düsseldorf

Mehr als 120 Teilnehmer kamen Mitte Februar in die NRW-Landeshauptstadt, um sich über wichtige aktuelle IT-Ansätze zu informieren und deren Beitrag zum Erfolg von Gesundheitsunternehmen zu diskutieren. Eingeladen hatte die Initiative für Unternehmensführung & IT-Service-Management in der Gesundheitswirtschaft (IuiG) gemeinsam mit den fördernden Verbänden wie bdvb, BMC, BVMI, CeMPEG, GMDS, VBGW, VKD und VuiG. Ein Hauptpunkt auf der Agenda: Die Festlegung der fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus-Unternehmensführung für 2009.

 

 

 

Was sind die Ziele dieser Initiative und ihrer Aktivitäten? „Unsere Entscheiderfabrik zu dem Nutzenbeitrag der IT ‚produziert’ durch die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus-Unternehmensführung und IT in den Projekten den CIO – auch wenn der IT-Verantwortliche nicht offiziell diesen Titel trägt“, erläuterte Dr. Pierre-Michael Meier. „Wer gemeinsam mit seiner Unternehmensführung durch die Entscheiderfabrik gegangen ist, der wird danach als CIO angesehen“, so der Leiter/Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates weiter.

Die Ergebnisse aus den Vorjahres-Aktivitäten dieser „Fabrik“ standen am Anfang der Veranstaltung im renommierten Düsseldorfer Industrie-Club. Die Paten, Experten und die fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus Unternehmensführung des Jahres 2008 waren:

          Heinz Kölking, Geschäftsführer des Diakoniekrankenhauses Rotenburg an der Wümme und Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD); Experte Dr. Gerd Renner. Thema: „Neue Geschäfts- und Preismodelle/Beispiel Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg an der Wümme“.

          Peter Löbus, Geschäftsführer Klinikum Bernburg, 1. Vizepräsident des VKD; Thema „Prozess-Lastenheft/Beispiel der IT-Konsolidierung der Kliniken des Salzlandkreises“.

          Peter Asché, Geschäftsführer des Klinikums der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Mitglied des VKD-Präsidiums; Experten Dr. Uwe Gansert und Elke Lehnert, Dr. Ralf-Michael Schmitz, Geschäftsführer des Klinikums Stuttgart, Mitglied des VKD-Präsidiums; Experte Gerhard Härdter, Thema: „Personalentwicklung in der IT-Abteilung“.

          Frank Dünnwald, Leiter Patientenmanagement, Kliniken Essen-Mitte; Experte Christian Müller, Thema: „Keine Schnitt-, sondern Verbindungsstellen“.

          Robert Schmeiser, Kaufmännischer Leiter des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg, 2. VKD-Vizepräsident; Experte Jürgen Weinzierl, Thema: „Pflichtenhefte von Kliniken gegenüber Industrie und Beratern“.

Diese fünf im Jahr 2008 gewählten Projektthemen, die im Rahmen des IuiG-Sommercamps von den Teams durchgearbeitet wurden, spiegeln Herausforderungen wieder, denen sich die Krankenhaus-Unternehmensführung heute gegenüber sieht.

 

Themen für 2009

Vor demselben Hintergrund wählten die Veranstaltungsteilnehmer im Februar die Themen für dieses Jahr aus: „Die Unternehmensführung muss Kosten senken – siehe Thema Energieeffizienz, Krankenhäuser sind mit stärkerem Wettbewerb konfrontiert – siehe die Themen Unternehmenssteuerung und Versorgungsmanagement; die Leistungserbringung muss effektiver gestaltet werden – siehe das Thema der Mobilität und der Potentiale im Zusammenspiel von IT und Medizintechnik“, führte Dr. Meier aus. „Die Entscheiderfabrik bringt erneut die Themen nach vorne, die den Erfolg eines Krankenhauses kritisch beeinflussen, und liefert mit den Experten aus den IT-Abteilungen – auch unter Berücksichtigung der Medizintechnik – Lösungen.“

 

Information für Eliten oder die gesamte Branche?

Wie positioniert sich die Initiative mit ihren Aktivitäten – ist sie ein Eliteprojekt, oder ist sie bestrebt, das Branchenpublikum in Diskussionen und Aktivitäten einzubeziehen? Dadurch, dass pro Jahr nur fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus Unternehmensführung ausgelobt werden, „haben wir sicher eine Elitesituation. Andererseits ermöglichen wir auch Häusern, die sehr gut zusammen arbeiten, gemeinsam die Patenschaft für ein Thema zu übernehmen bzw. die gesponserte Umsetzung des Themas in die Hand zu nehmen“, unterstrich der Leiter des IuiG-Initiativ-Rates [Anmerkung der Redaktion: beispielsweise die Kliniken Ludwigshafen und Stuttgart, Bad Oeynhausen und proDiako, Das Diak und die Kreiskliniken Esslingen]. Die Ausarbeitungen werden zur Kommunikation in der Branche in den Branchen-IT-Reports der Krankenhaus-Unternehmensführung veröffentlicht (www.iuig.org).

Die Initiative leistet aber noch mehr zur Verbreitung der Erkenntnisse: Die CIOs, die aus der „Entscheiderfabrik“ herauskommen, werden der Branche mit ihren Projekten auf der conhIT und auf der Medica vorgestellt; ferner gibt es vor der Medica und vor dem Entscheiderevent jeweils einen Branchen-IT-Report der Krankenhaus-Unternehmensführung. Dies erzielt eine „Breitenstreuung“, die dem gesamten Sektor zum Vorteil gereicht. – „Im Übrigen hat jedes Krankenhaus in Deutschland die Möglichkeit, ein Thema zu gewinnen“, so Dr. Meier.

 

Der nächste Entscheiderevent für IT in der Gesundheitswirtschaft ist für 10.-11. Februar 2010 in Düsseldorf geplant.

 

Die fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus-Unternehmensführung 2009

Die Projektarbeit wird auf dem Sommercamp geleistet, die Präsentation der Ergebnisse erfolgt im Rahmen von Medica und Deutschem Krankenhaus Tag am 19. November in Düsseldorf:

 

Green IT: Realisierung von Energieeinsparungen über effizienten IT-Einsatz.

Unternehmenssteuerung: Definition und Darstellung von Informationen, die heute strategisch wichtig sind.

Versorgungsmanagement: Effektivere intersektorale Versorgung durch schnelle Informationsverfügbarkeit.

Mobil: Verbesserte Leistungserbringung durch unmittelbaren IT-Einsatz am Patienten.

IT und Medizintechnik: Prozessverbesserungen durch das Zusammenführen von Medizintechnik und IT.


„Branchentreff für Healthcare IT“

Februar 24, 2009

conhIT 2009 holt im April die wichtigen Akteure in die Bundeshauptstadt

 

Es ist schon ein Meisterstück, das den Veranstaltern in Berlin gelungen ist: Die vielfach geforderte zeitliche Trennung von Kongress bzw. Akademie und Industrieausstellung, die Einbindung praxisnaher Veranstaltungen führender Fachorganisationen und eine Ausstellerliste, die nach den Wirren der letzten Zeit und trotz der Sparmaßnahmen in der Anbieterlandschaft beachtlich ist. Jetzt müssen nur noch die Krankenhausvertreter ihre Reiseanträge unterzeichnet bekommen.

 

Doch genau dieser Aspekt – mit seiner Schlüsselfunktion für einen nachhaltigen Erfolg der neuen Struktur – sieht vielversprechend aus. Reisebudgets sind zwar knapp, und die Fahrt zur Spree ist für die meisten Teilnehmer aufwändig; das geballte Informationsangebot mit Deckung durch die Verbände gibt den IT-Leitern jedoch allzu gute Argumente an die Hand.

 

Bedeutung der IT weiter ansteigend

In den Führungsetagen setzt sich nämlich zunehmend das Verständnis durch, dass IT für zahlreiche Facetten des Geschäfts mit der Gesundheit unabdinglich – und neueste Trendinformationen hierzu geschäftskritisch ist. „So setzen etwa Morbi-RSA-orientierte Kodierung und Selektivverträge IT voraus“, wie Jens Naumann im Rahmen der kürzlichen conhIT-Presserunde erläuterte. Allgemein vollzieht sich im Markt nach der Etablierung von KIS und anderer Primärsysteme jetzt laut dem VHitG-Vorsitzenden – der zugleich im conhIT-Präsidium sitzt – eine Vertiefung der Applikationen, etwa bei der Dokumentation und Prozessführung.

 

Die wichtigsten IT-Anwendungsgebiete

Neben dem Prozessmanagement – mit Data Warehousing – zählen zu den strategischen Anwendungsgebieten der IT nach Angaben von Prof. Dr. Klaus Kuhn die Vermeidung von Fehlern des Personals – auch in Deutschland ein zunehmend in der Öffentlichkeit wahrgenommenes Problem – und die sektorenübergreifende „Continuity of care“. Derlei Themen haben in das umfangreiche Kongressprogramm mit seiner Vielzahl bekannter Köpfe Eingang gefunden. Auch das persönliche Gesundheitsmanagement der Patienten, in Deutschland insbesondere von den Kostenträger vorangetrieben, findet auf der Agenda seinen Platz; die translationale Bioinformatik – laut Prof. Kuhn ein viertes Aktionsgebiet zukunftsorientierter IT – mit dem Ziel der personalisierten Therapie wird die GMDS wohl eher auf ihrer wissenschaftlichen Herbstveranstaltung debattieren. Mit der Industrie bei der conhIT zusammenzugehen, lag für den GMDS-Präsidenten auf der Hand: Die Auseinandersetzung mit konkret im Markt verfügbaren Werkzeugen spielt eine entscheidende Rolle.

Einen internationalen Touch fügt Prof. Dr. Paul Schmücker von der GMDS der conhIT durch eine Session hinzu, die IT-Tendenzen in anderen Gesundheitssystemen präsentiert – aus der Schweiz, aus Russland und Japan. Sämtliche Vorträge des conhIT-Kongresses 2009 werden im Übrigen simultan ins Englische bzw. Deutsche übersetzt.

 

Die Vielfalt des Informationsangebotes zieht an – dies, so BVMI-Präsident Dr. Carl Dujat, sollte die Entscheidung für die Reise an die Spree erleichtern: Die Schlüsselthemen, die relevante Akteure und ziemlich sicher auch die Kollegen, mit denen man sich austauschen möchte, machen aus der conhIT ein „must“.

 


In Memoriam Jürgen Sembritzki

Februar 5, 2009

* 15. Mai 1954       † 28. Januar 2009

* 15. Mai 1954 † 28. Januar 2009

Jürgen Sembritzki, der Geschäftsführer der ZTG (Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen), ist am Mittwoch, den 28. Januar 2009, plötzlich und unerwartet verstorben. Dies teilte die Pressestelle des Unternehmens heute mit. Er hat sich stets unermüdlich und mit höchstem Engagement für die ZTG eingesetzt und sie zu einem in Deutschland anerkannten Kompetenzzentrum gemacht. Sein Name wird immer verbunden bleiben mit dem Projekt der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Mit großem Erfolg brachte er dabei auch sein internationales Ansehen als Standardisierungs-Experte ein.

Dr. Manfred Zipperer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der ZTG, würdigte in einem Nachruf Sembritzkis Einsatz für die Telemedizin und die Modernisierung des Gesundheitswesens.

 

 


Lust und Frust

Oktober 24, 2008

Heilen und Helfen sind die Kardinaltugenden von Ärzten und Apothekern, Pflegedienstleistenden oder auch Funktionären im Gesundheitswesen. Bei Erfolg stellt sich dann im Regelfall ein hoher Lustgewinn ein, denn was sollte es Schöneres und Befriedigenderes geben, als Mitmenschen auf dem Weg zur Besserung zu sehen und dabei mitgewirkt zu haben? Also pure Lust. Doch schon seit längerem macht sich Frust breit. Krankenkassen gehen am Krückstock, Krankenhäuser schreiben Defizite, Krankenschwestern sind Lohndumping ausgesetzt und Ärzte stöhnen unter immer neuen Verwaltungsvorschriften, die ihnen jene Zeit stehlen, die für Patienten fehlt.

Einig wie selten sind sich alle Ursachenforscher allerdings, warum der jetzige Zustand des angeblich besten und ziemlich teuren Gesundheitswesens auf Gottes Erdboden so unbefriedigend erscheint. Ein Jahrzehnte lang liebevoll gepflegter Flickenteppich aus Partikularinteressen, politischer Einflussnahme und Selbstbedienungsmentalität hat die deutsche Medizin in eine Sackgasse geführt. Immer stärker auf Details versessene politische Vorgaben haben das System verkompliziert, ja teilweise unsteuerbar gemacht. Verwaltung statt Heilen, Formularkrieg statt Helfen, Frust statt Lust.

Auswüchse, die zu einem unkontrollierbaren Wildwuchs führten, machen die Struktur letztlich kaputt. Den Herausforderungen zeigt sich eine in diesem Fachbereich regierungsunfähige, weil sich selbst paralysierende große Koalition nicht mehr gewachsen. Und vom Gesundheitsfonds ist nur zu erwarten, dass alles teuer wird und nichts einfacher, was de facto auf die schlechteste aller Varianten hinausläuft. Da wäre Weiterwursteln bis zu Neuwahlen mit einer dann hoffentlich klaren Richtungskompetenz die bessere Lösung. Denn, Hand aufs Herz, das ministerielle Weglächeln der Probleme nutzt herzlich wenig, sondern erzeugt beim staunenden Publikum nur Frust ohne Lust.

Eva Britsch

In der nächsten Ausgabe der Management & Krankenhaus erfahren Sie wieder Interessantes rund um den Klinikalltag – ob Medizintechnik, Pharma, Diagnostik oder Management-Lösungen – unser Redaktionsteam wirft einen Blick auf aktuelle Themen, lässt Experten zu Wort kommen und informiert Sie passend zur Medica mit einer extra umfangreichen Ausgabe: Welche Vorteile bringt eine PPP-Finanzierung? Wie bewährt sich die HPV-Impfung in der Praxis? Was gibt’s Neues zur elektronischen Gesundheitskarte? Erscheinungstermin ist der 14. November 2008!


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