Neue Aufgaben für Krankenhaus-IT-Leiter

September 2, 2009

Welche Erwartungen wird die IT in deutschen Krankenhäusern künftig erfüllen? Welche Entwicklungen kommen auf das Berufsbild des IT-Leiters zu? Das sind die Kernfragen, um deren Beantwortung es auf der Herbsttagung des Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter KH-IT gehen wird.

Smartphone mit Organizer für die Terminorganisation, Tablet PC am Patientenbett zur Pflege der Patientendaten – IT ist inzwischen auch im Krankenhaus der Treiber für Innovation und Prozessoptimierung. IT-Leiter sollen einerseits strategisch agieren, zugleich jedoch auch eine wachsende Zahl von Organisationswerkzeugen projektieren und in Betrieb halten – ein schwieriger Spagat. Den Erfahrungsaustausch mit den Kollegen über diese hohen Anforderungen ermöglicht die Veranstaltung am 23. und 24. September in Rotenburg/Fulda. Themen wie Neues aus der Kommunikationstechnik, Integration von IT und Medizintechnik sowie IT in Medizinischen Versorgungszentren stehen ebenso auf der Tagesordnung wie die Veränderungen im Berufsfeld – aus den Perspektiven eines kleinen Krankenhauses wie eines Klinikverbundes. Informationen gibt es unter www.kh-it.de/uploads/media/Einladungsflyer-KH-IT-Herbsttagung-2009.pdf.


„Heutiger Versorgungsstandard setzt effektive IT voraus“

Juli 31, 2009
Dr. Björn Kabisch

Dr. Björn Kabisch

Vom Intranet der Elemente – Kodierungsschema und einheitliche Schnittstellen

Die Bedeutung der IT-Systeme und die Informationsdichte im Krankenhaus haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Welche Herausforderungen und Chancen birgt diese Entwicklung für Leistungserbringer? Michael Reiter im Gespräch mit Dr. Björn Kabisch, verantwortlich für Forschung und Entwicklung am Zentrum für Informations- und Kommunikationstechnologie des Universitätsklinikums Jena.

Management & Krankenhaus:

Worin liegt die strategische Bedeutung dieses Wandels?

Dr. Björn Kabisch: Ohne ein effektives IT-Management ist der Qualitätsstandard der medizinischen Versorgung, den wir heute in der Maximalversorgung erreicht haben, nicht denkbar. So stehen die Ergebnisse einer radiologischen Untersuchung Sekunden nach Befunderstellung durch die Fachabteilung am Krankenbett zur Verfügung; eine Veränderung der verordneten Medikamente in der elektronischen Krankenakte wird sofort von der Zentralapotheke registriert und bei der nächsten für diesen Patienten individuell zusammengestellten Lieferung berücksichtigt.

Bei 250.000 Behandlungen im Jahr alleine im Universitätsklinikum Jena ist klar, dass es sich um ein gewaltiges Datenaufkommen handelt, das in einem heterogenen IT-Umfeld besonders zuverlässig verarbeitet werden muss. Da die Aufgabenstellungen für die IT in den verschiedenen Funktionseinheiten einer Klinik sehr komplex und heterogen sind, steht die klinikumsinterne IT vor der Herausforderung, die vielen hoch spezialisierter Anwendungen unterschiedlicher Hersteller zu koordinieren. Nur so lassen sich die durch die Digitalisierung ermöglichten Synergien nutzen und beispielsweise alle Informationen in einer elektronischen Patientenakte zusammenführen. Durch zunehmend von der IT vernetzte und moderierte Prozesse hat die fachlich versierte und leistungsfähige klinikumsinterne IT an strategischer Bedeutung gewonnen. Es wäre sicherlich fahrlässig, die entstandenen Abhängigkeiten zu unterschätzen.

Vor welcher Aufgabenstellung sehen sich die Krankenhäuser jetzt?

Kabisch: Unsere wichtigste Herausforderung besteht darin, die kontinuierlich zunehmenden medizinischen Möglichkeiten – mit stagnierenden oder sinkenden finanziellen Ressourcen – zum Wohle unserer Patienten zu nutzen. Was wie ein Paradox klingt, kann nur durch Effizienzsteigerung und kritisches Abwägen der eingesetzten Mitte gelingen. Ziel ist es, die nachgewiesen wirkungsvollste Therapie möglichst frühzeitig und effizient anzuwenden.

Die klinikumsinterne IT wirkt hier vielfältig unterstützend: Beispielsweise kann ein optimierter Informationsfluss zwischen den Funktionseinheiten die Zeit, die bis zu einer effektiven Behandlung vergeht, stark verkürzen, und eine sinnvolle Dokumentation aller Behandlungsschritte kann die rentable Abrechnung mit den Leistungsträgern sicherstellen. Auch ermöglicht die Anbindung anonymisierter Datenquellen an medizinische Benchmark-Server (z.B. unser www.quips-projekt.de) die Verbesserung und ständige Überwachung der Behandlungsqualität. Das Reservoir an IT-unterstützten Optimierungsmöglichkeiten scheint auf absehbare Zeit unerschöpflich.

Sie sprechen – im Gegensatz zum Internet der Dinge – vom Intranet der Elemente. Was verstehen Sie darunter?

Kabisch: Damit sich über mehrere Funktionseinheiten hinweg Optimierungspotentiale ausschöpfen lassen, ist eine wichtige Aufgabe der klinikumsinternen IT, für ein gemeinsame ‚Sprache’ – also ein Kodierungsschema der Informationselemente – und für einheitliche robuste Schnittstellen aller IT-Systeme im ‚Mikrouniversum Klinikum’ zu sorgen.

Ich spreche nicht von Dingen, da es sich in unserem Fall häufig auch um Menschen handelt. Wenn wir ein Untersuchungsergebnis einem Patienten sicher zuordnen wollen, brauchen wir in der Datenbank sowohl eine ‚Identität’ der Untersuchung, als auch eine eindeutige Kennung für jeden Patienten. Von Intranet spreche ich, um deutlich zu machen, dass wir nicht auf eine große weltweite Lösung warten können, sondern im Hier und Jetzt beginnen müssen – und das nicht mit einem proprietären Ansatz, sondern auf der Basis internationaler ISO-Empfehlungen.

Was wir anstreben, ist eine pragmatische ‚Lingua Franca’ und keine ungemein komplizierte Universalsprache.

Sobald all diese Hausaufgaben erledigt sind – wie hat man sich das System Klinik dann vorzustellen?

Kabisch: Nicht nur deutlich komplexere Vernetzungsszenarien werden denkbar, auch für die schon realisierte Vernetzung von Informationen ergeben sich enorme Vorteile. Wenn alle lokalen IT-Anwendungen mittelfristig eine ‚Sprache’ sprechen, also die Kodierung von Informationen und die Schnittstellengestaltung vereinheitlicht sind, kann auch das heterogene Gefüge aus hunderten Spezialanwendungen effektiv zusammenarbeiten.

Der Aufwand für die Schnittstellengestaltung und die Abhängigkeit von individuell erstellten Integrationskonzepten sinkt, die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems steigt. So vorbereitet kann die klinikumsinterne IT den sicherlich auch in Zukunft steigenden Erwartungen gerecht werden.

www.med.uni-jena.de

Veranstaltung im Kontext

Unser Interviewpartner und weitere renommierte Experten sprechen im Rahmen des Healthcaretages 2009. Qualität, Patientensicherheit und Effizienz im Gesundheitswesen stehen auf der Tagesordnung. Die Veranstaltung zeigt Lösungen zur Bewältigung fehlerbehafteter und unwirtschaftlicher Abläufe auf.

Termin: 27. Oktober

Ort: Frankfurt/Main

Veranstalter: EHIBCC – European Health Industry Business Communication Council

Programm und Anmeldung: www.healthcaretag.de


Usabil-IT-Studie zur Anwendbarkeit von IT im Krankenhaus – Erhebungsfrist verlängert

Juli 28, 2009

Rund 140 Kliniken haben bereits an der Usabil-IT-Studie zur Anwendbarkeit von Krankenhaus-IT teilgenommen. Die Laufzeit der Erhebung wurde nun bis zum 1. August verlängert. Klinikleitungen erhalten daher eine weitere Einladung zur Studienteilnahme, die sie innerhalb der Klinik an ihre Mitarbeiter weiterleiten können. Adressaten der Usabil-IT-Studie sind insbesondere Klinikmitarbeiter mit patientennahen Tätigkeiten (Ärztlicher und Pflegerischer Dienst).

Das Ausfüllen des Fragebogens, bei dem Chancen, Stärken und Schwächen der in deutschen Kliniken genutzten Systeme im Mittelpunkt stehen, dauert ca. 15 bis 20 Minuten. Die Ergebnisse der Studie können zum einen als Grundlage für krankenhausinterne Entscheidungen herangezogen, aber auch zu Verbesserungen in der Softwareweiterentwicklung eingesetzt werden.

Die Teilnahme an der Studie erfolgt über einen von zwei möglichen Links: die IT-Anwender können auswählen, ob sie den Fragebogen anonym oder unter einem Pseudonym ausfüllen. Bei der anonymen Teilnahme ist keinerlei Rückschluss auf die Klinik möglich; bei der pseudonymisierten Teilnahme besteht die Option, eine kostenlose individuelle Auswertung der IT-Ausstattung der eigenen Klinik in Bezug zum Referenzkollektiv zu erhalten (Benchmark). Von den bisher rund 140 teilnehmenden Kliniken wählten 22 die Teilnahme über den pseudonymisierten Link.

Datenschutz und Diskretion garantiert

Alle Daten werden streng vertraulich behandelt. Die Rohdaten werden ausschließlich für die Auswertung aufgehoben und sind außer dem Team der Usabil-IT-Studie niemandem zugänglich. Falls die Teilnahme über den pseudonymisierten Link erfolgt, wird die individuelle Auswertung an den IT-Leiter der teilnehmenden Klinik gesendet und die Tabelle nach der Empfangsbestätigung gelöscht. Damit erfolgt jede weitere Speicherung, Auswertung und Archivierung der Daten ohne irgendeinen Personen-, Klinik- oder Herstellerbezug. Sowohl bei der anonymen als auch bei der pseudonymisierten Teilnahme ist keine Verbindung zur teilnehmenden Klinik mehr herstellbar. Die Studie erfolgt gemäß dem ICC/ESOMAR-Kodex.

Die Usabil-IT-Studie wird von der GMDS-AG KAS durchgeführt und vom VHitG unterstützt. Erste Ergebnisse werden im November 2009 auf der Medica vorgestellt; die vollständige Präsentation erfolgt auf der conhIT 2010 in Berlin (20. bis 22. April 2010). Als Dank für die Teilnahme werden unter den Teilnehmern zehn Apple iPod Shuffle verlost.

Weitere Informationen zur Studienteilnahme und zum Datenschutz unter www.usabil-it.de

Interessierte IT-Anwender, die keine Einladung erhalten haben, können direkt mit der Studienleitung in Kontakt treten.

Ansprechpartner für die Studie: Dr. Rainer Röhrig, Studienleiter, Tel. 06 41 / 99 – 444 94, usabil-it@informatik.med.uni-giessen.de.


„Klare Strukturen und klare Prozesse ermöglichen“

Juli 2, 2009
Will einen klaren Rahmen für Dokumentenmanagement und Archivierung in Krankenhäusern schaffen: Leitung der GMDS-Arbeitsgruppe

Will einen klaren Rahmen für Dokumentenmanagement und Archivierung in Krankenhäusern schaffen: Leitung der GMDS-Arbeitsgruppe

GMDS-Arbeitsgruppe entwickelt Grundlagen für Archive

Für alle, die mit dem Bereich Dokumentenmanagement und Archivierung in Krankenhäusern zu tun haben, einen klaren Rahmen zu schaffen: Zu diesem Ziel organisierte Ende Juni die Arbeitsgruppe „Archivierung von Krankenunterlagen“ der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) einen Workshop-Tag.

Fast 50 IT-Leiter, Dokumentare, Archivverantwortliche, IT-Anbieter und Berater kamen nach Berlin, um gemeinsam diese Basisarbeit für drei aktuelle Aufgabengebiete zu leisten:

• Archivordnungen – Erarbeitung einer Musterarchivordnung

• IT-Sicherheit in digitalen Archiven – Erarbeitung eines Leitfadens

• Archivierung strukturierter Daten – Wie werden diese beweissicher elektronisch aufbewahrt?

Technische Muster, Richtlinien und Empfehlungen zu diesen Themen sollten erarbeitet, inhaltliche Schwerpunkte festgelegt werden. Volkmar Eder, Leiter der Arbeitsgruppe und verantwortlich für das Archiv am Universitätsklinikum Tübingen, resümierte: „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg – insbesondere deshalb, weil sich bei der Identifikation und Erörterung von Fragestellungen und Lösungsansätzen alle Teilnehmer wahrgenommen fühlten.“ Als positive Erfahrung werteten sie die gemeinschaftliche, zielorientierte Ausarbeitung und Ausgestaltung einer ersten Ergebniszusammenfassung.

Archivordnung

Anhand einer Mustervorlage des Landesdatenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein wurden die erforderlichen Hauptkapitel einer Standard-Archivordnung spezifiziert, ergänzt bzw. gestrichen. Insgesamt arbeitete die Gruppe neben einer Präambel zehn Hauptkapitel bzw. Paragraphen aus und vervollständigte, modifizierte oder strich in den jeweiligen Kapiteln die entsprechenden Texte und Vorgaben. Nicht berücksichtigt werden konnten aus zeitlichen Gründen die Vorgaben und Richtlinien zu digitalen Archivierungs- und Signaturverfahren und das Handling digitaler Akten.

IT-Sicherheit in digitalen Archiven

Verfügbarkeit und Fehlerfreiheit sind Voraussetzungen für rechnerunterstützte Dokumentenmanagement- und Archivierungssysteme. Zu gewährleisten sind somit insbesondere Datensicherungen, Ausfallsicherung und IT-Absicherung aller zentralen Komponenten, Monitoring der DV-Betriebsprozesse sowie die Ordnungsmäßigkeit und Revisionssicherheit der digitalen Dokumente. Unberechtigte Löschungen, Einfügungen und Modifikationen archivierter Dokumente im Datenbanksystem müssen verhindert werden, eine Zertifizierung durch eine neutrale Institution (z. B. TÜVit) ist von Vorteil.

Ziel dieses Workshops war es, alle sicherheitsrelevanten Bedürfnisse und Maßnahmen für den digitalen Archivbereich in einem Leitfaden zusammenzustellen. In dem Workshop konnte hierfür bereits eine Vielzahl von Empfehlungen erarbeitet werden.

Archivierung strukturierter Daten

Die Datenformatsprache XML gewinnt zunehmend an Bedeutung; insbesondere Metadaten liegen heute schon vielfach in XML vor, zunehmend werden aber auch Daten und Dokumente mit XML-basierten Standards direkt in diesem Format ausgetauscht. Somit ist XML als Format für die elektronische Archivierung in Betracht zu ziehen. – Nach Darstellung der Teilnehmer wurden die erwarteten Ziele des Workshops erreicht: Erste Rahmenrichtlinien und Handlungsempfehlungen für die beweissichere Archivierung von XML-Dokumenten und sonstigen strukturierten Daten wurden erstellt.

Dass sich innerhalb eines Tages keine umfassenden und abschließenden Arbeitspapiere realisieren lassen würden, war klar. Jedoch, so Eder, „gab es in den Workshop-Teams mehrheitlich die Bereitschaft, die begonnene Arbeit fortzusetzen.“ Die weitere Planung der Organisatoren und Teams sieht vor, per E-Mail-Kommunikation den ersten Entwurf bzw. die ersten Ergebnisse von allen Teilnehmern der jeweiligen Workshops ergänzen und anpassen zu lassen und ggf. in weiteren gemeinschaftlichen Sitzungen eine endgültige Fassung zu erarbeiten. Geplant ist die Präsentation verabschiedeter Endversionen im Rahmen der Archivtage am 9. und 10. Dezember in den Städtischen Kliniken München. Danach werden die Papiere für die Archiv- und IT-„Community“ veröffentlicht.


GMDS-Workshop zur Archivierung

Juni 23, 2009

Am 30. Juni findet ein Arbeitstreffen der Arbeitsgruppe “Archivierung von Krankenunterlagen” der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) e. V. statt – ab 10.00 Uhr im SEMINARIS CampusHotel Berlin. Fachleute und qualifizierte Interessierte sind herzlich eingeladen. Im Mittelpunkt stehen drei Workshops zu folgenden Themen:

Workshop 1:

Archivordnungen – Erarbeitung einer Musterarchivordnung

Workshop 2:

IT-Sicherheit in digitalen Archiven – Erarbeitung eines Leitfadens

Workshop 3:

Archivierung strukturierter Daten – Wie werden diese beweissicher elektronisch aufbewahrt?

Das Treffen dient primär zur Erarbeitung von Empfehlungen und technischen Richtlinien zu den genannten aktuellen Themen. Das Programm zu den Workshops ist auf der Website der Arbeitsgruppe zu finden – www.informatik.hs-mannheim.de/aku.

Pro Workshop können sich maximal 25 Teilnehmer anmelden. Zurzeit sind noch Plätze frei. Um kurzfristige Anmeldung wird gebeten. – Am Vorabend findet ein Networking mit Abendessen und Dinner Speech statt.

Die Anmeldung kann nur online über die Homepage der Arbeitsgruppe erfolgen. Jeder Teilnehmer muss sich für einen Workshop entscheiden und kann nur an diesem teilnehmen. Entscheidend für die Teilnahmeberechtigung ist die Reihenfolge bei der Anmeldung. Sollte eine angemeldete Person ihren Teilnahmebetrag nicht innerhalb einer Woche bezahlt haben, so wird dieser Platz wieder frei. Teilnahmeberechtigt sind nur diejenigen Personen, die eine Teilnahmebestätigung erhalten haben.

Die Organisatoren freuen sich auf eine rege Teilnahme:

Volkmar Eder, Tübingen

Leiter der GMDS-Arbeitsgruppe “Archivierung von Krankenunterlagen”

Prof. Dr. Paul Schmücker, Mannheim

Stellvertretender Leiter der GMDS-Arbeitsgruppe

Dr. Christoph Seidel, Braunschweig

Stellvertretender Leiter der GMDS-Arbeitsgruppe


Rund um die Bildgebung

Juni 4, 2009

Die KIS-RIS-PACS-Tagung und das DICOM-Treffen finden am 3. und 4. Juli in Mainz statt. Die Themen RIS und PACS werden wieder ergänzt mit aktuellen Beiträgen zu allgemeinen Entwicklungen der IT, die auch zunehmend Auswirkungen auf RIS und PACS haben. Die Bedeutung der IT für die Unterstützung von Forschung und Lehre sowie die Aspekte zur übergreifenden Vernetzung bilden einen weiteren Schwerpunkt. Aussagestarke Vorträge, engagierte Diskussionen und eine attraktive Tagungsatmosphäre kennzeichnen die Veranstaltung. Das Treffen wird ergänzt durch einen Hands-on-Workshop zum Thema Fallsammlung sowie – am 2. Juli ab 18 Uhr als Auftaktveranstaltung – durch die medlounge rhein-main: „Wie viel Vernetzung braucht das Gesundheitswesen?“.

Anmeldung unter Dicom.Mainz@web.de.


Werden Betreiber zu Herstellern?

Juni 2, 2009
Organisatoren und herausragende Referenten des Symposiums

Organisatoren und herausragende Referenten des Symposiums

VDE-Symposium – IT-Vernetzung von Medizinsystemen

Die informationstechnische Vernetzung medizinischer Geräte und Systeme nimmt zu. Die Inhalte der in der EU harmonisierten internationalen Normen zum Risikomanagement (ISO 14971), zur Gebrauchsergonomie („Usability“ – IEC 62366) und Software (IEC 62304) wirken sich künftig bei der Systemintergration von Medizinprodukten (IEC 80001) auch für Betreiber aus. Diese beiden Einflussfaktoren führen zu weitreichenden Veränderungen in den Rahmenbedingungen von Krankenhäusern: War bislang der Hersteller eines Einzelgerätes im Gesamtsystem von Medizintechnik und IT für den störungsfreien Betrieb und die Interoperabilität im Prozess verantwortlich, so wird künftig der Betreiber des Gesamtsystems in die Pflicht genommen – also der Leistungserbringer. In dieser Ausgabe lesen Sie mehrere Artikel zu dieser aktuellen Herausforderung; der vorliegende Artikel fasst eine zweisprachige Veranstaltung des VDE-Institutes, Offenbach, und der Beratungsfirma Prosystem, Hamburg, Ende März in Frankfurt/Main zusammen.

Dies ist die Historie vernetzter Medizingeräte: „In Krankenhäusern existierten zwei physikalisch getrennte Netzwerk-Welten: Medizingeräte-Netzwerke etwa für Monitoring und Radiologie sowie Krankenhaus IT-Netzwerke insbesondere für die Verwaltung“, so Gerhard Weller von Siemens. Seine Liste charakteristischer Kriterien liest sich wie folgt: „Medizingeräte-Netzwerke wurden von Medizingeräteherstellern spezifiziert, geliefert, gewartet; sie waren den Qualitätsmaßnahmen der Medizingerätehersteller unterworfen; zur Verbindung der Medizingeräte ausgelegt, technisch unkompliziert; nicht für andere Geräte oder Netzwerke zugänglich; keinen ungeplanten Veränderungen ausgesetzt; sicher und zuverlässig im Betrieb; preiswert in Anschaffung und Betrieb; langjährig beschaffbar sowie beim Betreiber in der fachkundigen Verantwortung der Medizintechnik“. Heute, so der Experte weiter, verlieren physikalisch getrennte Medizingeräte-Netzwerke an Bedeutung; die Geräte werden zunehmend über allgemeine IT vernetzt. Patientenakten, KIS und das Postulat orts- und zeitunabhängiger Verfügbarkeit von Patienteninformationen fördern dies. Anwenderanforderungen, regulierte Medizingeräte und nicht regulierte IT-Geräte – Produktgruppen mit unterschiedlichen Sicherheitskonzepten – müssen unter einem Dach zusammengeführt werden. Die Zuständigkeit für die Vernetzung liegt bei der EDV-Abteilung – wer verantwortet die Medizingeräte?

Hin zur Eigenverantwortung

Betreiber von Krankenhäusern, so der Tenor der beiden Veranstaltungstage, tragen nach Umsetzung der Richtlinie 2007/47/EG im nächsten Jahr die Verantwortung für Planung, Verifikation, Validierung, Prüfung, Zertifizierung, Betrieb, Dokumentation und kontinuierliche Überprüfung ihrer Netzwerke, in die sie eigenständig Medizinprodukte einbinden. Dafür müssen sie entsprechend qualifiziertes Personal und geeignete Qualitäts- und Risikomanagementsysteme vorhalten. Krankenhausverantwortliche sollten deshalb verstärkt ihre Position in den Normierungsgremien einbringen; zum Zweck eines Dialogs mit Herstellern und Normierungsexperten hatten die Veranstalter international renommierte Referenten nach Frankfurt geholt. Hersteller wie Dräger, Medtronic, Philips und Siemens waren ebenso vertreten wie Normierungsexperten, Benannte Stellen, Berater sowie Leistungserbringer aus Erlangen und Heidelberg.

Zur künftigen Norm IEC 80001-1

„Werden Medizingeräte in IT-Netzwerke eingebunden, müssen die Sicherheitsanforderungen, die der Gesetzgeber für Medizinprodukte erlassen hat, auf den ‚zuverlässigen Betrieb im Netz’ übertragen werden“, beschrieb Michael Bothe vom VDE-Institut die Problemstellung. „Werden in einem System Produkte mehrerer Hersteller verwendet [was üblicherweise der Fall ist], so bietet die neue Norm IEC 80001 einen Risikomanagement-Ansatz, um die Zusammenarbeit der Parteien, die an der Integration der Geräte in dieses Netzwerk beteiligt sind, unter Federführung des Betreibers sicherheits- und vertragskonform zu regeln“. Die Norm enthält Vorschläge für Zuständigkeitsvereinbarungen, mit denen Inbetriebnahme, Anwendung, Neukonfigurierung und Außerbetriebnahme von IT-Netzwerken über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu regeln sind. Der Schwerpunkt der IEC 80001-1, so Oliver Christ von Prosystem, „liegt auf Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Datenschutz und Interoperabilität“; mit der Veröffentlichung als Norm ist Ende 2010 zu rechnen.

Krankenhäuser in den Dialog integrieren

In einem Panel, das der IT-Anbieter Oracle sponserte, diskutierten Expertenanwender aus Heidelberg und Mannheim, Vertreter von IT- und Medizintechnikunternehmen sowie aus dem Bereich Regulierung und Berater darüber, welche Konsequenzen sich aus den veränderten Rahmenbedingungen ergeben und wie sich Leistungserbringer heute auf die Veränderungen vorbereiten können. So beschrieb CIO Prof. Dr. Björn Bergh, wie das Heidelberger Uniklinikum eine Trennung von Medizintechnik- und IT-Netz realisiert, um Schwierigkeiten etwa bei der Datensicherheit zu vermeiden – ist also der Weg zurück in die getrennten Welten der richtige Ansatz?

Weitere Veranstaltungen zur Wissensvermittlung und Stärkung des Dialogs sind laut Bothe und Christ in Vorbereitung.

Lunch Panel: Expertenanwender diskutierten mit Vertretern von IT-, Medizintechnik- und Beratungsunternehmen sowie Regulierungseinrichtungen (Fotos: MR)

Lunch Panel: Expertenanwender diskutierten mit Vertretern von IT-, Medizintechnik- und Beratungsunternehmen sowie Regulierungseinrichtungen (Fotos: MR)


Trends und Themen der Healthcare-IT

April 14, 2009
conhIT - der deutsche Branchentreff für Healthcare-IT

conhIT - der deutsche Branchentreff für Healthcare-IT

conhIT – Berlin, 21.-23. April

Der deutsche Branchentreff für Healthcare-IT (www.conhit.de) legt trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zu: Bereits fünf Wochen vor dem Start der conhIT war die Ausstellerzahl des Vorjahres überschritten worden. Zu den Ausstellern der Industrie-Messe gehören die großen Player der Branche sowie zahlreiche Mittelständler, die zeigen, wie der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik die medizinische Versorgung ganz konkret verbessern kann. In der„messefreien Zeit” am Vormittag können sich Aussteller und Besucher im Kongress oder in den vertiefenden Seminaren der Akademie fortbilden.

Ambulant-stationäre Vernetzung, digitale Bildgebung und Prozessoptimierung in ambulanten und stationären medizinischen Einrichtungen: Das sind nur einige der Themen, über die sich Besucher auf der diesjährigen conhIT informieren können. Wie im Vorjahr präsentieren die Aussteller eine breite Palette an Neuheiten und Weiterentwicklungen. Auch wenn die Gesundheitsbranche von der Finanzkrise nicht in dem Maße betroffen ist wie andere Branchen: der ökonomische Druck auf die medizinischen Einrichtungen nimmt vorläufig nicht ab. Kein Wunder also, dass zahlreiche Aussteller Lösungen zur Prozessoptimierung und zum Controlling anbieten, die Kliniken und ambulanten medizinischen Einrichtungen helfen können, bei bestmöglicher Patientenversorgung optimal zu wirtschaften. Im ambulanten Bereich haben unter anderem Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Ärztenetze einen hohen Bedarf an effizienten Strukturen und transparenten Prozessen. Dem tragen die Gesundheits-IT-Hersteller zunehmend Rechnung. In Ärztenetzen kann eine Optimierung der Patientenversorgung oft schon dadurch erreicht werden, dass relevante Patientendaten jederzeit zur Verfügung stehen. Das gewährleisten so genannte Netzakten, die Ärzten den sicheren Zugriff auf von Kollegen eingestellte Patientendaten ermöglichen. Entsprechende Lösungen werden auf der Industrie-Messe vorgestellt.

Digitale Diagnose
Dass Gesundheits-IT mehr ist als Prozessoptimierung und Bereitstellung von Patientendaten, zeigen auf der conhIT die zahlreichen Hersteller von Lösungen für die klinische Diagnostik. Zwar sind digitale RIS- und PACS-Lösungen in vielen Einrichtungen längst zum Standard geworden. Trotzdem geht die Entwicklung weiter, etwa in Richtung zunehmend mobiler Lösungen sowie einer immer tieferen Integration zwischen digitaler Bildgebung und medizintechnischen Lösungen anderer Art.

Auch Anbieter digitaler Sprachlösungen zeigen, wie man der Bürokratie Herr werden kann. Denn Kliniken, die bei der Erstellung von Dokumenten auf digitales Diktat und Spracherkennung setzen, beschleunigen nicht nur die Erstellung von Arztbriefen und Befunden; sie entlasten auch die Ärzte, erhöhen die Patientensicherheit und unterstützen die einrichtungsübergreifende Vernetzung. Dauerte es in der Vergangenheit oft mehrere Tage, bis ein Arztbrief oder ein Befund tatsächlich zur Verfügung stand, kann das durch IT-Einsatz dramatisch beschleunigt werden.

Kongress, Akademie und Messe
Die conhIT bietet vormittags fokussierte Weiterbildungsangebote zu branchenspezifischen, praxisrelevanten Themen. Aussteller und Besucher können aus insgesamt 15 Sessions des Kongresses und sechs interaktiven Seminaren der conhIT-Akademie auswählen und sich ein Programm nach den eigenen Interessen zusammenstellen. Ärzte und berufliche Pflegende erhalten für die Teilnahme am zertifizierten conhIT-Programm auch in diesem Jahr Fortbildungspunkte. Nachmittags öffnet die Industrie-Messe mit einem umfassenden Überblick des Produkt- und Dienstleistungsangebotes von Healthcare-IT. Dem immer wichtigeren Networking wird breiter Raum eingeräumt, z.B. mit ganztägig geöffneten Networking-Bereichen.

Die zeitliche Aufteilung der Elemente soll auch den aktiven Austausch zwischen Herstellern, Anwendern und den maßgeblichen Innovationstreibern im Markt fördern – ein Anspruch der Branche, der sich im Grußwort der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt wiederfindet. Sie hat erstmalig die Schirmherrschaft der conhIT übernommen.

Highlights im Überblick
Dienstag, 21. April
- 09.00 – ca. 10.30 Uhr: Eröffnungsveranstaltung mit Keynotes von Neil Jordan, Microsoft, und Dr. Doris Pfeiffer, GKV-Spitzenverband
- ab 19.00 Uhr conhIT-Party für Fachbesucher und Aussteller im Messeeingang Süd
Mittwoch, 22. April


„Eine prägende Persönlichkeit der IT fürs Gesundheitswesen“

März 15, 2009

Prof. Paul Schmücker feiert runden Geburtstag

 

Prof. Paul Schmücker (links) und sein ehemaliger Schüler, Dr. Carl Dujat (Foto: MR)

Prof. Paul Schmücker (links) und sein ehemaliger Schüler, Dr. Carl Dujat (Foto: MR)

 „Paul Schmücker hat sich als glühender Verfechter praktikabler Lösungsansätze im Bereich Healthcare IT einen Namen gemacht“, fasst sein ehemaliger Schüler Dr. Carl Dujat zusammen. Der „stete, mitunter unbequeme Mahner für Praxisnähe und Wirtschaftlichkeit der Lösungen“ wurde Mitte März 60 Jahre alt.

Die Entwicklung der Medizininformatik prägte Prof. Schmücker mehr als ein Vierteljahrhundert hindurch in mehreren Funktionen mit: Als Referent und Organisator von Fachveranstaltungen, als Vorsitzender mehrerer Arbeitsgruppen, als Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen – insbesondere des „Leitfadens für das rechnerunterstützte Dokumentenmanagement und die digitale Archivierung von Patientenunterlagen im Gesundheitswesen“ in Zusammenarbeit mit dem GIT Verlag – sowie als Professor für das Lehrgebiet Medizinische Informatik an der Hochschule Mannheim, wo er heute als Institutsleiter tätig ist.

In seinen „Heidelberger Jahren“ war Prof. Schmücker Stellvertreter des Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Reinhold Haux, der heute Geschäftsführender Direktor am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig ist. Wie beurteilt Prof. Haux die Person und die Arbeit des Jubilars? „Paul Schmücker hat fachlich äußerst viel bewegt. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die – auch wenn es einmal Gegenwind gibt – die Position hält und die Akteure auf den verschiedenen Seiten verbindet.“

Was wünschen ihm der ehemalige Vorgesetzte und der Schüler für die Zukunft? „Weiterhin ganz viele Projekte, an denen er mitwirken und die er – mit Ruhe und Gelassenheit – auf einen guten Weg bringen kann.“ Sollten große Vorhaben, bei denen Prof. Schmücker eine tragende Rolle innehat, nicht vor seinem (Un)Ruhestand realisiert werden – fügt Dr. Dujat mit einem Schmunzeln hinzu – „so gehen wir davon aus, dass Paul auch nach diesem sich langsam abzeichnenden Termin die wesentlichen Veranstaltungen der Branche in gekannter Art und Weise kompetent begleiten und kommentieren wird!“.

Kollegen, Partner, Freunde und der Verlag wünschen dem Jubilar alles Gute.

 

Stationen eines engagierten Lebens

 

Nach seinem Studium der Informatik mit Nebenfach Betriebswirtschaftslehre forschte Prof. Schmücker am Physiologischen Institut der Universität Kiel und arbeitete im Institut für Medizinische Informatik der Universität Gießen. Als IT-Leiter des Universitätsklinikums Heidelberg war er mit der Planung und Koordination der Informationsverarbeitung und der Durchführung von Projekten im Bereich der Patientenversorgung betraut. Daraufhin wurde er als Professor für das Lehrgebiet Medizinische Informatik an der Hochschule Mannheim tätig, wo er heute die Funktion des Institutsleiters innehat.

 

Seine Arbeitsschwerpunkte bilden u. a.:

Strategisches und taktisches Informationsmanagement im Gesundheitswesen

Workflow im Krankenhaus

Elektronisches Dokumentenmanagement und digitale Archivierung

Elektronische Patientenakte

Elektronische Gesundheitsakte

Elektronische Gesundheitskarte

Gesundheitstelematik und telemedizinische Anwendungen

Klinische Arbeitsplatzsysteme

Rechtsfragen zur Dokumentation, Kommunikation und Archivierung im Gesundheitswesen

Bewertung von Informationssystemen des Gesundheitswesens

 

Zu diesen Themen ist er auf zahlreichen Tagungen und Seminaren als Redner vertreten. Außerdem kann er auf über 150 Fachaufsätze in Zeitschriften oder Sammelbänden verweisen. Er ist Veranstalter von mehr als 30 Fachkonferenzen zu elektronischen Dokumentenmanagement- und Archivierungssystemen bzw. rechnerunterstützten Informationssystemen des Gesundheitswesens.

 

Er übernahm die Konsortialführerschaft im Verbundprojekt „ArchiSig – Beweiskräftige und sichere Langzeitarchivierung digital signierter Dokumente”, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wurde. Ferner erarbeitete er federführend das Gutachten „SEPA BaWü – die sektorenübergreifende elektronische Patientenakte: Spezifikation für prototypische Anwendungen zur rechnerunterstützten regionalen Informationsversorgung im Gesundheitswesen des Landes Baden-Württemberg” für das Sozialministerium Baden-Württemberg und das Gesundheitsforum Baden-Württemberg.

 

In den letzten Jahren beschäftigte er sich intensiv mit der Integration der Elektronischen Gesundheitskarte in rechnerunterstützte Krankenhausinformationssysteme und mit der Anbindung der Krankenhäuser an die Gesundheitstelematikplattform, insbesondere mit den Schnittstellen zwischen Krankenhaus und Telematikplattform und den dadurch bedingten Änderungen der rechnerunterstützten Behandlungsprozesse im Krankenhaus.

 

Prof. Schmücker leitete über lange Jahre die Arbeitsgruppen „Archivierung von Krankenunterlagen” und „Informationssysteme im Gesundheitswesen” der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) e.V. Seit 2008 ist er Leiter des GMDS-Fachausschusses „Medizinische Informatik”.


Triebfeder für die elektronische Signatur

März 4, 2009

Kompetenzzentrum mit Ziel der Durchsetzung im Gesundheitswesen

 

Kostengünstiger, rascher, sicherer informieren und kommunizieren: Eine Modernisierung im Bereich Dokumentenmanagement, Informationsfluss und Archivierung bietet dem Gesundheitssektor Milliarden an Einsparungen und eine Vielzahl von Prozessvorteilen. Eine wichtige Grundlage hierfür bildet die elektronische Signatur; hier mangelt es nicht an plausiblen Methoden und erprobten Lösungen, sondern an der Bereitwilligkeit zum Wandel. Die Vermittlung der Ansätze und Vorteile hat sich der Verein „Competence Center für die elektronische Signatur im Gesundheitswesen“ (CCESigG) zum Ziel gesetzt, der Anfang März in Braunschweig gegründet wurde.

 

Qualifizierte Signaturen und Zeitstempel sind laut dem deutschen Signaturgesetz eine Voraussetzung für die rechtssichere elektronische Archivierung klinischer Dokumente. Das Einsparpotential, das eine branchenweite Einführung digitaler Ansätze erschließen würde, ist beeindruckend: In Deutschland wird für die mehr als 500.000 Betten der Leistungserbringer jährlich jeweils ca. ein Meter Papier archiviert. Die Gesamtkosten für die Verwaltung und Archivierung der konventionellen Akten betragen ca. 2,5 Mrd. €.

 

Eine beweissichere elektronische Archivierung klinischer Dokumente setzt den Einsatz elektronischer Signaturen voraus. Auch andere Verfahren – wie etwa die Mikroverfilmung – bieten im Übrigen keine gesetzlich festgeschriebene Beweissicherheit. Für den Einsatz der elektronischen beweissicheren Archivierung -  auch über einen Zeitraum von 30 Jahren – haben in den letzten Jahren zahlreiche Projekte und Vorarbeiten die Basis bereitet. Ein Einsatz dieser Verfahren im Gesundheitswesen hat jedoch bislang nicht im größeren Umfang stattgefunden; Aktivitäten beschränken sich auf Einzelprojekte. Deshalb begeben sich manche Kliniken auf den unsicheren Weg der elektronischen Archivierung ohne den Einsatz elektronischer Signaturen und unter Verzicht auf eine beweissichere Archivierung. Zur Verfahrensabsicherung werden Einzelvereinbarungen mit Haftpflichtversicherungen getroffen.

 

Ziele und Aktivitäten des Kompetenzzentrums

Vor diesem Hintergrund hat sich eine Reihe von Akteuren zur Zusammenarbeit entschlossen, um eine flächendeckende Einführung der elektronischen Signatur und ihren langfristig gesicherten Einsatz im Gesundheits- und Sozialwesen voranzubringen. Dies ist auch eine wichtige Voraussetzung für die Einführung des Heilberufeausweises und der elektronischen Gesundheitskarte. – Als bundesweite Plattform für Kliniken, Institutionen und Arbeitsgruppen, Softwarehersteller, Trustcenter und Dienstleister beschäftigt sich das neu gegründete CCESigG beispielsweise mit standardisierten Schnittstellen zwischen beteiligten Komponenten, mit der Einbettung der Signatur in Prozesse oder der Klärung des Verfahrens zum ersetzenden Scannen. Folgende Maßnahmen sind geplant:

·         Einrichtung einer neutralen Plattform zur Verbreitung der elektronischen Signatur im Gesundheitswesen, die die Interessen von Arbeitsgruppen und Organisationen, Kliniken, Herstellerfirmen von Krankenhaus- und Signatursoftware, Trustcentern und Scandienstleistern bündelt.

·         Durchführung von Informationsveranstaltungen zur elektronischen Signatur im Gesundheitswesen.

·         Zur Information der Mitglieder des CCESigG wird ein Informationsdienst über Gesetzesänderungen, Standardisierungen und ablaufende Sicherheitsanforderungen eingerichtet.

·         Konzeption und Entwicklung von standardisierten Schnittstellen zwischen Langzeitarchivierungssystemen und Unterstützung der GMDS-Arbeitsgruppe Archivierung von Krankenunterlagen.

·         „Entwicklung von Best Practice-Lösungen“ für den Umgang mit der elektronischen Signatur bei der Integration in die bestehenden Prozesse im Klinikalltag.

·         Initialberatung bei der Einführung von elektronischen Signaturen.

 

Finanzieren wird sich das Kompetenzzentrum – das für weitere Mitglieder offen ist – in den ersten drei Jahren durch eine Kombination aus den Mitgliedsbeiträgen, eigenen Erlösen sowie einer Förderung durch das Land Niedersachen und die Stadt Braunschweig.

 

„Einen Markt schaffen“

Die Vorteile des Einsatzes moderner digitaler Technologien für Dokumentenmanagement, Informationsfluss und Archivierung sind in den Augen Helmut Schüttigs klar erkennbar. Der Geschäftsführer des Klinikums Braunschweig, das in Zusammenarbeit insbesondere mit der TU Braunschweig bei elektronischen Signaturen bereits eine Vorreiterrolle einnimmt, erläuterte: „Wir sind angesichts von 11 km konventionellen Akten und 2 km Befunden äußerst bestrebt, Einsparungen an Räumen, Infrastruktur und auch Personal zu erzielen. Kürzere Abläufe – weniger Telefonate, weniger Turnschuhakrobatik – werden die Effizienz steigern und auch die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter erhöhen. Es ist an der Zeit, dass die gesamte Branche dies erkennt und dazu beiträgt, dass ein tragfähiger Markt für Lösungen entsteht.“ Dr. Christoph Seidel zeigte sich „über den Zuspruch seitens Kliniken, Institutionen und der Industrie sehr erfreut.“ Anfang März, so der IT-Leiter am Klinikum Braunschweig und soeben gewählte CCESigG-Vorsitzende, „haben wir den Grundstein gelegt für die Bündelung der Aktivitäten im Bereich der elektronischen Signatur – damit in vielen Punkten Klarheit geschaffen werden kann, die heute noch Kliniken verunsichern.“ Das Geld, das bislang in die konventionelle Archivierung fließt, lässt sich künftig unter Ausnutzung des gesamten Potentials zweckdienlicher IT für die Patientenversorgung, auch intersektoral, nutzbringend verwenden.

Prägende Köpfe des CCESigG - Braunschweig, Anfang März (Foto: MR)

Prägende Köpfe des CCESigG - Braunschweig, Anfang März (Foto: MR)


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