Interdisziplinär und praxisbezogen – Röntgenkongress 2009

Juni 2, 2009
Neuer Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft ist Prof. Dr. Gerhard Adam

Neuer Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft ist Prof. Dr. Gerhard Adam

Es war ein „first“ in der Geschichte des Deutschen Röntgenkongresses: Die Deutschen Röntgengesellschaft gestaltete das Programm gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft. Diese Zusammenarbeit setzt ein Zeichen für die Bedeutung der Radiologie für die Onkologie – „Radiologen begleiten Krebspatienten oft über Jahre hinweg und liefern fortwährend wichtige Informationen für den Behandlungsprozess“, so Kongresspräsident Prof. Dr. Claus Claussen. Interdisziplinärer Austausch prägt zum einen die Radiologie seit ihrem Bestehen; zum anderen ist er ausschlaggebend für Outcome und Wirtschaftlichkeit in der Onkologie, der aufgrund höherer Lebenserwartung und veränderter Lebensbedingungen eine weiter wachsende Bedeutung zukommt.

Mehr als 7.000 Teilnehmer, darunter fast 4.000 Ärzte und Medizinphysiker, kamen im Mai nach Berlin. Der Kongress mit seinen Angeboten zur Fort- und Weiterbildung sowie die Forschungsvorträge, ebenso wie das Industrieforum mit seinen 130 Ausstellern, erhielten somit wieder einen beachtlichen Zuspruch. Die Deutsche Röntgengesellschaft führt diese Resonanz auf die „ausgezeichnete Qualität von Vorträgen und Präsentationen sowie die professionelle Organisation“ zurück.

Ein breites Spektrum rund um bildgebende Diagnostik und minimal-invasive Therapieverfahren, einschließlich Neuroradiologie und Kinderradiologie, stand auf dem Programm. Einen Themenschwerpunkt bildeten die Onkologie und onkologische Diagnostik.

Neuer Präsident

Zum Präsidenten der Deutschen Röntgengesellschaft wurde für die anstehende Amtsperiode Prof. Dr. Gerhard Adam gewählt. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf löst Prof. Dr. Michael Laniado (Dresden) ab, der der Deutschen Röntgengesellschaft von 2007 bis 2009 vorstand. Die Amtszeit von Professor Adam läuft bis 2011.

Preisverleihungen

Die Veranstaltung bot wieder den Rahmen für eine Reihe von Ehrungen. Der Röntgenpreis ist die wohl renommierteste – mit 10.000 € dotierte – Auszeichnung; mit ihr würdigt alljährlich die Deutsche Röntgengesellschaft Radiologen, die sich in besonderer Weise um die bildgebende Medizin verdient machen. In diesem Jahr ging sie an Dr. Marc Dewey; der Berliner Radiologe wurde für seine Arbeiten zur Diagnose der koronaren Herzerkrankung (KHK) ausgezeichnet. Sie zählt zu den häufigsten und gefährlichsten Zivilisationskrankheiten; Dr. Dewey konnte nachweisen, dass die schonende und nichtinvasive CT der Untersuchung mit dem Herzkatheter oftmals ebenbürtig ist. „In Deutschland werden jährlich rund 700.000 Eingriffe mit dem Herzkatheter durchgeführt, die meisten nur zur diagnostischen Zwecken. Unsere Studien haben gezeigt, dass wir auf den CT-Bildern behandlungswürdige Gefäßverengungen mit der gleichen Genauigkeit erkennen können wie mithilfe des Herzkatheters – einem nicht risikofreien, invasiven Eingriff“, erklärte der Experte aus der Charité. Auch die Patientenzufriedenheit erhöht sich nach Auskunft des Preisträgers: „Wir befragten Patienten, die sich sowohl einer Katheterisierung als auch einer CT-Untersuchung unterzogen hatten. Drei viertel bevorzugen demnach die schmerzfreie CT-Diagnostik.“

Dr. Dewey sieht den Preis als Ansporn für weitere Forschungen: „Ein großes Zukunftsfeld ist die Herzdiagnostik mithilfe von MRT. Hier sind noch viele medizinische und technische Möglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln.“

Aus der Industrieausstellung

Carestream Health: Als Neuheit kündigte der Anbieter eine flexible DR-Suite an, mit voller Kompatibilität zum kabellosen DRX-1. Das DRX-Evolution System vereint den ersten kassettengroßen kabellosen DR-Detektor – ab Juni in Deutschland verfügbar – mit der Funktionalität des Kodak DirectView DR 7500-Systems. Diese Kombination ermöglicht einen modularen Übergang zu einem Röntgenraum mit einem oder zwei Detektoren. Eine weitere Verbesserung des Workflows bietet die SuperPACS-Architektur. Damit ist die standortübergreifende und herstellerunabhängige Kommunikation und Befundung möglich: PACS-Lösungen verschiedener Hersteller können miteinander synchronisiert, die vorhandene Infrastruktur kann über mehrere Standorte genutzt werden. Anwender haben Zugriff auf eine umfassende Arbeitsliste, unabhängig davon, wo im Netzwerk sich der Standort oder die Daten befinden. Die Architektur wird ab Jahresmitte verfügbar sein. – „Um Patientenkomfort, Produktivität und diagnostische Genauigkeit“, so Todd Minnigh, Worldwide Director of Marketing, Digital X-Ray in Berlin, „dreht sich die Produktentwicklung auf diesem Gebiet“. Die Einflussfaktoren, die in der Radiologie prägend wirken, sind in allen entwickelten Ländern dieselben; Modalitäten und IT-Lösungen müssen den Ärzten erlauben, ihre Aufgaben rund um die Patientenbehandlung rascher und effizienter zu verrichten.“

Eizo: Seine hochpräzisen Monitore für die Befundung und Betrachtung präsentierte der japanische Hersteller, darunter jüngste Produktentwicklungen. Highlights waren das 56“-Bildsystem LX560W für OP-Räume und der 3-Megapixel-Farbmonitor RX320 für die Befundung. Der LX560W stellt mit acht Megapixeln sowohl farbige als auch monochrome Aufnahmen in fast beliebiger Anordnung und Größe dar. Durch die Flexibilität in der Anordnung der Bilder und bei den Bildgrößen gewinnt der operierende Arzt eine optimale Bildgebung. Die Bildwiedergabe mit einer nativen Auflösung von 3.840 × 2.160 Pixeln eignet sich bestens für die Anwendung im vaskulären Einsatzfeld. Herzstück dieses Monitors ist sein digitales Video-Verteilersystem LMM 56800: Es sammelt Eingangssignale von bis zu 27 unterschiedlichen Videoquellen, arrangiert diese Informationen je nach Aufgabenstellung und überträgt das zusammengestellte Bild auf den Schirm.

Fujifilm: Als Highlight im Bereich Gesundheitsvorsorge für Frauen präsentiert Fujifilm mit Amulet sein erstes digitales DR-System für die Mammographie. Aufgebaut aus zwei Schichten amorphen Selens (a-Se), DR-Detektor-Technologie und einer innovativen direkten Konvertierungsmethode bietet das System eine hohe Bildqualität, während zeitgleich die Dosis verringert und die Effizienz der Arbeitsabläufe verbessert werden können. Mit 50μm in der Direkt-Konvertierung bietet dieses System für Mammo-DR die weltweit kleinste Auflösung (Stand 12/2008), was sowohl zu einer hohen Bildschärfe als auch zu verringertem Rauschen führt. – Die Synapse Breast Imaging Diagnostic Workstation (BIDW) wurde speziell als Ergänzung für DR und CR für Mammographie-Produkte von Fujifilm entwickelt und bietet verbesserte Workstation-Möglichkeiten für Einrichtungen, die PACS-Lösungen anderer Hersteller benutzen. Mit der vollständigen Funktionalität von Synapse PACS versehen, wurde diese neue Arbeitsstation dazu entwickelt, ein vorhandenes System zu ergänzen; hiermit reagiert das Unternehmen auf die Nachfrage nach klinischen und betrieblich effizienten Systemen und ermöglicht neue Mammographieverfahren.

NEC: Am Stand seines Vertriebspartners BW Plus stellte das Unternehmen die aktuellen Displays für den Medizinbereich vor. Schwerpunkte waren die Farbdisplays NEC MD304MC und NEC MD212MC sowie das neue Graustufen-Display NEC MD213MG, das in Berlin erstmalig präsentiert wurde. Die Befundbildschirme nach DIN V-6868-57 garantieren eine exakte Darstellung und präzise Bildwiedergabe sowie das Anzeigen selbst feinster Details.

Philips: Ein Forscher-Team aus dem Unternehmen stellte erstmals die neuesten Entwicklungsfortschritte auf dem Gebiet des nicht-invasiven therapeutisch angewandten Ultraschalls vor. Die kombinierte Methode aus MRT und fokussiertem Ultraschall wird auch „Magnetic Resonance imaging-guided High Intensity Focused Ultrasound“, kurz MR-HIFU genannt. Das Besondere an dieser nicht-invasiven Operationsmethode: Sie kommt ohne Verletzungen der Haut aus, wirkt ausschließlich im Körperinneren, und in der Regel können die Patienten am Folgetag bereits wieder ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen.

Die HIFU-Einheit ist in die Tischplatte eines Magnetresonanz-Tomographen integriert. Durch eine spezielle Anordnung der Ultraschall-Quellen durchdringt der Schall die Haut des Patienten, ohne sie zu beschädigen; erst in der Tiefe entwickelt er durch seine Bündelung die Wirkung. Dort erwärmt sich das Gewebe im Zielgebiet bis auf 70 Grad und stirbt ab. Die ständige Echtzeit-Bildkontrolle mittels Magnetresonanztomographie bietet dem Behandler dabei eine wichtige Kontrolle über den Therapieverlauf und ihren Erfolg. Für den Patienten ist die ca. zwei Stunden dauernde Prozedur vollkommen schmerzfrei.

Bisher wurde von Philips Healthcare ein MR-HIFU Gerät zur Behandlung von Uterusmyomen entwickelt. Dieses befindet sich derzeitig in der klinischen Erprobung. „Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, berichtete Thomas Andreae, Direktor MR Marketing Emerging Systems & Therapy für Philips Healthcare. „Die HIFU-Therapie ist für die Patientinnen viel weniger belastend und deutlich risikoärmer als die heute bei Uterusmyomen übliche Kleinst-Operation oder eine Entfernung der Gebärmutter als Ganzes.“

Jetzt gilt es, das Anwendungsspektrum auf andere Krankheitsbilder zu erweitern. Es zeichnet sich bereits ab, dass künftig auch komplexere Eingriffe denkbar sind, z. B. das Behandeln bösartiger Tumore wie Mamma- oder Prostata-Karzinome. Die Philips-Forschung hat in Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Chrit Moonen, Universität Bordeaux, für dieses wichtige klinische Einsatzgebiet bereits weiterführende und vielversprechende Technologien entwickelt. Zum einen kann mit diesen Lösungen eine absolut homogene Temperaturverteilung erreicht werden, die für das vollständige Abtöten von Tumorgewebe zwingend nötig ist, und zum anderen muss die HIFU-Einheit die Fähigkeit besitzen, auch große Areale zu erreichen.

Siemens: Mit der neuen Applikation Syngo iFlow lässt sich erstmals, so Unternehmenssprecher, eine komplette digitale Subtraktionsangiographie (DSA) in einem einzigen Farbbild darstellen. Um zu visualisieren, wie sich Kontrastmittel innerhalb der Gefäße ausbreitet, konnte bisher mit Hilfe mehrerer Röntgenbilder lediglich eine Schwarz-Weiß-Filmsequenz erzeugt werden. Nun zeigen die unterschiedlichen Farben in dem Syngo-iFlow-Bild an, in welchen Gefäßen das Kontrastmittel zuerst ankommt und wo zuletzt.

Die Applikation verbessert beispielsweise die prä- und postprozedurale Bildgebung bei Patienten, die wegen einer Stenose am Bein behandelt werden: Hier sind vor dem Eingriff Flussabweichungen des Blutes in die Kollateralgefäße leichter festzustellen, da die Anomalie dem Arzt dank der speziellen Farbe schneller auffällt. Nach dem Eingriff wird der Erfolg einer Ballondilatation oder Stent-Implantation sofort sichtbar, da entsprechende Farben den verbesserten Fluss des Kontrastmittels, und damit auch des Blutes, anzeigen.

Der Röntgenkongress 2010 ist für 12. bis 15. Mai angekündigt.


Die Entscheiderfabrik macht aus IT-Leitern CIOs

Februar 25, 2009

„Unsere Entscheiderfabrik ‚produziert’ den CIO“: Dr. Pierre-Michael Meier, Leiter/Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates (Foto: MR)

„Unsere Entscheiderfabrik ‚produziert’ den CIO“: Dr. Pierre-Michael Meier, Leiter/Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates (Foto: MR)

Ergebnisse und Perspektiven vom Entscheiderevent in Düsseldorf

Mehr als 120 Teilnehmer kamen Mitte Februar in die NRW-Landeshauptstadt, um sich über wichtige aktuelle IT-Ansätze zu informieren und deren Beitrag zum Erfolg von Gesundheitsunternehmen zu diskutieren. Eingeladen hatte die Initiative für Unternehmensführung & IT-Service-Management in der Gesundheitswirtschaft (IuiG) gemeinsam mit den fördernden Verbänden wie bdvb, BMC, BVMI, CeMPEG, GMDS, VBGW, VKD und VuiG. Ein Hauptpunkt auf der Agenda: Die Festlegung der fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus-Unternehmensführung für 2009.

 

 

 

Was sind die Ziele dieser Initiative und ihrer Aktivitäten? „Unsere Entscheiderfabrik zu dem Nutzenbeitrag der IT ‚produziert’ durch die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus-Unternehmensführung und IT in den Projekten den CIO – auch wenn der IT-Verantwortliche nicht offiziell diesen Titel trägt“, erläuterte Dr. Pierre-Michael Meier. „Wer gemeinsam mit seiner Unternehmensführung durch die Entscheiderfabrik gegangen ist, der wird danach als CIO angesehen“, so der Leiter/Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates weiter.

Die Ergebnisse aus den Vorjahres-Aktivitäten dieser „Fabrik“ standen am Anfang der Veranstaltung im renommierten Düsseldorfer Industrie-Club. Die Paten, Experten und die fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus Unternehmensführung des Jahres 2008 waren:

          Heinz Kölking, Geschäftsführer des Diakoniekrankenhauses Rotenburg an der Wümme und Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD); Experte Dr. Gerd Renner. Thema: „Neue Geschäfts- und Preismodelle/Beispiel Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg an der Wümme“.

          Peter Löbus, Geschäftsführer Klinikum Bernburg, 1. Vizepräsident des VKD; Thema „Prozess-Lastenheft/Beispiel der IT-Konsolidierung der Kliniken des Salzlandkreises“.

          Peter Asché, Geschäftsführer des Klinikums der Stadt Ludwigshafen am Rhein, Mitglied des VKD-Präsidiums; Experten Dr. Uwe Gansert und Elke Lehnert, Dr. Ralf-Michael Schmitz, Geschäftsführer des Klinikums Stuttgart, Mitglied des VKD-Präsidiums; Experte Gerhard Härdter, Thema: „Personalentwicklung in der IT-Abteilung“.

          Frank Dünnwald, Leiter Patientenmanagement, Kliniken Essen-Mitte; Experte Christian Müller, Thema: „Keine Schnitt-, sondern Verbindungsstellen“.

          Robert Schmeiser, Kaufmännischer Leiter des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg, 2. VKD-Vizepräsident; Experte Jürgen Weinzierl, Thema: „Pflichtenhefte von Kliniken gegenüber Industrie und Beratern“.

Diese fünf im Jahr 2008 gewählten Projektthemen, die im Rahmen des IuiG-Sommercamps von den Teams durchgearbeitet wurden, spiegeln Herausforderungen wieder, denen sich die Krankenhaus-Unternehmensführung heute gegenüber sieht.

 

Themen für 2009

Vor demselben Hintergrund wählten die Veranstaltungsteilnehmer im Februar die Themen für dieses Jahr aus: „Die Unternehmensführung muss Kosten senken – siehe Thema Energieeffizienz, Krankenhäuser sind mit stärkerem Wettbewerb konfrontiert – siehe die Themen Unternehmenssteuerung und Versorgungsmanagement; die Leistungserbringung muss effektiver gestaltet werden – siehe das Thema der Mobilität und der Potentiale im Zusammenspiel von IT und Medizintechnik“, führte Dr. Meier aus. „Die Entscheiderfabrik bringt erneut die Themen nach vorne, die den Erfolg eines Krankenhauses kritisch beeinflussen, und liefert mit den Experten aus den IT-Abteilungen – auch unter Berücksichtigung der Medizintechnik – Lösungen.“

 

Information für Eliten oder die gesamte Branche?

Wie positioniert sich die Initiative mit ihren Aktivitäten – ist sie ein Eliteprojekt, oder ist sie bestrebt, das Branchenpublikum in Diskussionen und Aktivitäten einzubeziehen? Dadurch, dass pro Jahr nur fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus Unternehmensführung ausgelobt werden, „haben wir sicher eine Elitesituation. Andererseits ermöglichen wir auch Häusern, die sehr gut zusammen arbeiten, gemeinsam die Patenschaft für ein Thema zu übernehmen bzw. die gesponserte Umsetzung des Themas in die Hand zu nehmen“, unterstrich der Leiter des IuiG-Initiativ-Rates [Anmerkung der Redaktion: beispielsweise die Kliniken Ludwigshafen und Stuttgart, Bad Oeynhausen und proDiako, Das Diak und die Kreiskliniken Esslingen]. Die Ausarbeitungen werden zur Kommunikation in der Branche in den Branchen-IT-Reports der Krankenhaus-Unternehmensführung veröffentlicht (www.iuig.org).

Die Initiative leistet aber noch mehr zur Verbreitung der Erkenntnisse: Die CIOs, die aus der „Entscheiderfabrik“ herauskommen, werden der Branche mit ihren Projekten auf der conhIT und auf der Medica vorgestellt; ferner gibt es vor der Medica und vor dem Entscheiderevent jeweils einen Branchen-IT-Report der Krankenhaus-Unternehmensführung. Dies erzielt eine „Breitenstreuung“, die dem gesamten Sektor zum Vorteil gereicht. – „Im Übrigen hat jedes Krankenhaus in Deutschland die Möglichkeit, ein Thema zu gewinnen“, so Dr. Meier.

 

Der nächste Entscheiderevent für IT in der Gesundheitswirtschaft ist für 10.-11. Februar 2010 in Düsseldorf geplant.

 

Die fünf IT-Schlüssel-Themen der Krankenhaus-Unternehmensführung 2009

Die Projektarbeit wird auf dem Sommercamp geleistet, die Präsentation der Ergebnisse erfolgt im Rahmen von Medica und Deutschem Krankenhaus Tag am 19. November in Düsseldorf:

 

Green IT: Realisierung von Energieeinsparungen über effizienten IT-Einsatz.

Unternehmenssteuerung: Definition und Darstellung von Informationen, die heute strategisch wichtig sind.

Versorgungsmanagement: Effektivere intersektorale Versorgung durch schnelle Informationsverfügbarkeit.

Mobil: Verbesserte Leistungserbringung durch unmittelbaren IT-Einsatz am Patienten.

IT und Medizintechnik: Prozessverbesserungen durch das Zusammenführen von Medizintechnik und IT.


Neuer General Manager

Dezember 15, 2008

Nach sieben Jahren im Bereich der klinischen Auftragsforschung bei Parexel hat Dr. Thomas Berger (46) die Position des General Manager Medical Division bei Fujifilm Deutschland in Düsseldorf übernommen. In dieser Rolle wird der Arzt, Medizininformatiker und Betriebswirt die strategische Ausrichtung des Unternehmens mit Healthcare als Kerngeschäftsfeld aktiv mitgestalten.


Doppelt hält besser?

Dezember 11, 2008

Das Zweitmeinungsverfahren soll teure Therapiekosten in den Griff kriegen

Der gesundheitspolitische Flickenteppich wird zunehmend enger gewebt. Dieser Eindruck kommt jedenfalls auf, wenn man neueste Versuche betrachtet, den allgemeinen Kurs auf „Kosteneffizienz“ auszurichten – dann kommt es zu immer neuen, sicher gut gemeinten, Versuchen, die jedoch hinter dem Anspruch „Steigerung der Behandlungsqualität“ in Koalition mit der Optimierung der Kosten, zurückbleiben dürften.

Es war ein Aufschrei der Empörung, der anlässlich der Einführung des Zweitmeinungsverfahrens (§ 73d Sozialgesetzbuch V) für Patienten mit der seltenen, aber schweren Krankheit pulmonale arterielle Hypertonie (PAH – Lungenhochdruck) zu hören war. Allerdings war es ein einzelner. Denn in Deutschland sind nur etwa 3.000 Patienten betroffen und so ist die „PAH-Lobby“ sicherlich nicht die lauteste der Republik. „Dramatische Auswirkungen“ für die Patienten befürchten allerdings die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) sowie die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) in Koalition mit dem Verein „Pulmonale Hypertonie“.

Forderung für mehr Wettbewerb

Bei der Verordnung von Arzneimitteln mit hohen Jahrestherapiekosten sollte – so die Vorlagen aus der Gesundheitsreform – eine Abstimmung des behandelnden Arztes mit einem Arzt für besondere Arzneimitteltherapie erfolgen. Soweit das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz. Bis Ende 2008 sollte mit dem Zweitmeinungsverfahren gestartet sein. Mit der Einführung des Verfahrens für die pulmonale arterielle Hypertonie wird man diesen Zielen gerecht – jedoch zeigt sich an den ersten Reaktionen, dass die Vorlagen wahrscheinlich noch von praktikabler Alltagstauglichkeit entfernt sind. So könnte es dem Zweitmeinungsverfahren ähnlich ergehen, wie dem Hausarztmodell, das enorme Kostenersparnisse versprach und im Endeffekt keinerlei Mehrwert bilanzieren konnte. Zwar fühlten sich die Patienten der Hausarzt-zentrierten Versorgung nicht schlechter behandelt – so die Ergebnisse der Bertelsmann Stiftung – jedoch stellt sich durch immer neue Auflagen, Bürokratismus und gesundheitspolitischer Kreationismus beim Versicherten nach und nach zunehmend Verunsicherung und Ärger breit. Dies trifft besonders diejenigen, die ohnehin durch schwere und/oder chronische Erkrankungen gebeutelt sind. Verständnis hierfür haben auch die Kassen, so konstatiert die DAK, dass das Zweitmeinungsverfahren bei PAH-Patienten zu „Verunsicherung und auch Verärgerung“ führt. Jedoch hält man an dieser Stelle das Modell für einen ersten, guten und viel versprechenden Schritt in die richtige Richtung. Sollte es jedoch tatsächlich um Kostenreduzierung bei der Behandlung einer Erkrankung wie der PAH gehen, so scheint es doch fraglich, ob das Zweitmeinungsverfahren der richtige Weg ist: Gerade bei einer schweren Erkrankung sind Ärzte in der Pflicht, den vielversprechendsten Medikamentierungs-Plan zu erstellen – kaum einer wird hier versucht sein, deutlich zu „kürzen“ oder der Meinung eines behandelnden Arztes zu widersprechen. Noch dazu, wo der Großteil der PAH-Patienten in spezialisierten Lungenzentren behandelt werden. Hier ist davon auszugehen, dass diese Zentren – ob ihrer großen Erfahrung – einen plausiblen Therapieplan entwerfen. Die zweite Meinung kostet dann nur – und hilft nicht unbedingt. Soweit die negativen, kritischen Aspekte, die man hierzu vorbringen könnte. Jedoch gilt es sicherlich auch, bei enorm kostenintensiven Krankheiten zwei Mal hinzusehen. Das Zweitmeinungsverfahren – eingeführt bei weiteren Erkrankungen außerhalb des Lungenhochdrucks, wird sicherlich auch so manchen Arzt positiv stimmen und ihm die Verantwortung für eine Therapieentscheidung leichter machen. Dies alles darf aber nicht zum Nachteil eines Patienten und zur Stärkung von wirtschaftlichen Teilinteressen von Playern des Gesundheitsmarktes geschehen.

Eva Britsch

 


Des Patienten Recht

November 11, 2008

Auch Krankenhäuser sollen stationär frei wählbar sein!

Der Patient hat ein Recht auf freie Arzt- und Krankenhauswahl – das zumindest ist die offizielle Aussage auf der Internetseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Ob und wie dies im Heimatland, oder vielleicht auch im europäischen Ausland gilt, war lange unklar. Anfang Juli gab die Europäische Kommission nun die neue „Richtlinie über die Ausübung von Patientenrechten bei grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung“ bekannt.

 

 

Diese Richtlinie ist Teil der Initiative „Gesundheitsversorgung ohne Grenzen“ und soll die Möglichkeiten einer medizinischen Versorgung im europäischen Ausland aufzeigen. Es wird davon ausgegangen, dass die meisten Patienten in ihrem Heimatland eine ausreichende medizinische Versorgung erhalten. Dennoch kann, bei hochspezialisierten Behandlungen oder in Grenzregionen – aber auch bei überlasteten Gesundheitssystemen mit langer Wartezeit – die geeignete medizinische Versorgung im europäischen Ausland liegen.

 

Zur Begründung der Richtlinie räumte die Kommission ein, dass die bestehenden Vorschriften zur Inanspruchnahme grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung und Kostenerstattung nicht immer leicht zu verstehen seien. Der Vorschlag für einen besser verständlichen Rechtsrahmen soll dem nun Abhilfe leisten.

 

Die Kommission hat eine Zusammenfassung der Patientenrechte erstellt, die u.a. besagt, dass Patienten das Recht haben, „Gesundheitsdienstleistungen im Ausland in Anspruch zu nehmen und die Kosten dafür in gleicher Höhe erstattet zu bekommen, wie dies auch bei einer Behandlung im eigenen Land der Fall wäre. Die Richtlinie wird klarstellen, wie die Patienten dieses Recht ausüben können, einschließlich der Beschränkungen, welche die Mitgliedstaaten für eine solche Versorgung im Ausland festlegen können, und bis zu welcher Höhe die Kosten für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung erstattet werden.“

 

So weit, so unklar. Die Patienten sollen demnach das Recht haben sich ein Krankenhaus nach Wunsch auszusuchen, müssen sich jedoch möglicherweise wiederum einschränken, durch die Vorgaben ihres Heimatlandes. Konsequenterweise will die EU allerdings das Vorschalten einer Genehmigung zur freien Wahl für die Mitgliedsstaaten nur eingeschränkt erlauben. Immerhin: „Die Richtlinie erleichtert die europäische Zusammenarbeit bei der Gesundheitsversorgung.“

 

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, äußerte sich zustimmend zur Richtlinie: „Die deutschen Krankenhäuser stellen sich dem grenzüberschreitenden Wettbewerb zwischen den Gesundheitsdienstleistungserbringern, den die Europäische Kommission mit dem Vorschlag einer Richtlinie zu Patientenrechten initiieren will.“ Nun gut, was sollten sie auch stattdessen tun, wenn der Wettbewerb innereuropäisch forciert wird?

 

Einigen scheint es auch ratsam, mit Vorsicht an weitere Vorgaben und damit auch Einschränkungen für die Mitgliedstaaten und somit für die Krankenhäuser seitens der Europäischen Kommission heranzutreten. Zur Sprache gebracht wurde seitens der EU beispielsweise die Zusammenführung von Kliniken zu Europäischen Referenznetzwerken. Die Befürchtung der DKG ist, dass diese für die Patientenrechte nicht von Relevanz sind, stattdessen jedoch in die Planungshoheit der Mitgliedsstaaten eingreifen. Ihre Forderung ist, hier die Gestaltungskompetenz der einzelnen EU-Staaten unangetastet zu lassen. Gegen diese Befürchtung spricht indes, dass die Kommission die Zusammenführung auf eine freiwillige Basis gestellt hat.

 

Die andere Seite der Gesundheitsversorgungs-Medaille ohne Grenzen, ist der Gesundheitstourismus. Obwohl ein sehr vager Begriff, gewinnt er doch immer mehr an Bedeutung. Verstanden wird er u.a. als Verreisen inklusive medizinischer Dienstleistung. Erfragt wird er jedoch nicht nur seitens der Patienten, sondern seit geraumer Zeit auch aktiv angeboten von den Krankenhäusern. Marktwirtschaftlich gedacht, geht es darum Patienten aus dem europäischen Ausland anzuwerben – natürlich nur, wenn es um hochspezialisierte Behandlungsmethoden geht.

 

 (Quellen:http://ec.europa.eu/health-eu/news/streaming/crossborder/crossborder_de.htm ; www.dkgev.de )

 

Anika Schröter