Krankenhausinfektionen: Eile tut Not

November 16, 2011

Der durch Hygienemängel hervorgerufene Tod von Frühgeborenen auf der Frühgeborenen-Intensivstation am Klinikum Bremen-Mitte hat nun personelle Konsequenzen: Dem für die Station verantwortlichen Chefarzt wurde die fristlose Kündigung ausgesprochen.

Kündigungsgrund sind nach Aussage des Klinikbetreibers Fehleinschätzungen bei der Beurteilung des Gefährdungspotenzials des Keimausbruchs und das verspätete Ergreifen von Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung. Erschwerend kommt hinzu, dass der Verdacht eines Ausbruchs nicht rechtzeitig gemeldet wurde.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend und mögen auch zutreffend sein. Die schnelle Kündigung des Chefarztes ist sicherlich öffentlichkeitswirksam und soll Handlungsfähigkeit demonstrieren. Trotzdem: Wie häufig in solchen Fällen wirkt sie reflexhaft und lenkt von der grundsätzlichen Problematik der Krankenhausinfektionen – nicht nur in Bremen – ab.

Die hohe Zahl an Todesfällen und Erkrankungen durch Krankenhausinfektionen – die Quellenlage ist unübersichtlich und die Angaben schwanken zwischen 10.000 und 20.000 Toten für Deutschland – ist erschreckend. Irritierend dabei ist die relativ geringe Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Ohne zynische Zahlenspiele betreiben zu wollen: Diese Anzahl der Todesopfer ist bis zu sechsmal höher als die Zahl der Verkehrstoten, die im Jahr 2010 zu beklagen waren. Schwere Verkehrsunfälle gelangen regelmäßig in die Nachrichtensendungen und Tageszeitungen, durch Krankenhausinfektionen hervorgerufene Todesfälle nur in Fällen, bei denen eine besondere emotionale Wirkung zu erwarten ist.

Die Sommer verabschiedeten neuen, verschärften gesetzlichen Regelungen zum Schutz von Patienten vor gefährlichen Infektionen im Krankenhaus zeigen die richtige Richtung auf –allein an einer schnellen Umsetzung scheint es noch zu hapern.

Es bleibt zu hoffen, dass die neuen gesetzlichen Regeln schnell greifen und Wirksamkeit zeigen. Um noch einen Vergleich mit Verkehrsunfallstatistiken zu ziehen: Es hat 40 Jahre und enorme Investitionen in die Fahrzeug- und Straßensicherheit erfordert, um die Zahl der Verkehrstoten von 20.000 auf 3.600 zu senken.

Ein vergleichbarer Zeitraum für eine signifikante Verbesserung bei der Krankenhaushygiene wäre verantwortungslos.


August 26, 2009

Quo vadis Krankenhausfinanzierung?

Momentan ist die Überlebensfähigkeit vieler Kliniken in Frage gestellt. Der Innovations- und Investitionsdruck steht vielfach im krassen Gegensatz zu den Finanzierungsmöglichkeiten der einzelnen Einrichtungen. Mit diesem Dilemma beschäftigt sich der Kongress „Krankenhausfinanzierung“, der am 12. und 13. Oktober in Mainz stattfindet.

Die Kliniken stehen momentan vor dem Problem, dass öffentliche Mittel und Bankkredite immer knapper werden oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Es ist also für viele Klinkleiter und -betreiber an der Zeit, sich auf die Suche nach alternativen Finanzierungsformen zu machen. Allerdings sind die Erfahrungen mit diesen Instrumenten häufig noch sehr dünn und auch nicht immer von Erfolg gekrönt.

Trotzdem oder gerade deshalb gilt: „Gerade ein kommunales Krankenhaus muss heute jede Chance ergreifen, die sich bietet – und sei es ein neuer Weg wie PPP, der noch weitgehend unerprobt ist. Pionierarbeit ist selten ohne Risiko, aber eben manchmal notwendig“, sagt Dr. Julia Hefty, Geschäftsführerin der Hochtaunus-Kliniken. Sie wird auf dem Kongress ihr Public Private Partnership Projekt innerhalb eines Krankenhaus-Neubaus vorstellen und über die Erfahrungen berichten.

Hiermit wird schon klar, dass es nicht nur um Finanzierung im engeren Sinne, sondern auch um Gesamtausrichtung, Geschäfts- und Trägermodelle, Spezialisierung, Konzentration, Kooperationen, Zusammenschlüsse und (Teil-)Privatisierung geht und gehen kann.

Unter Moderation von Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff vom Zentrum für Krankenhausmanagement werden auf dem Kongress mehrere erfolgreiche Projekte in diesem Zusammenhang vorgestellt. So kommen neben den Hochtaunus-Kliniken noch das St. Elisabethen-Hospital Beckum, das Klinikum Saarbrücken, die HSK-Gruppe, die Märkischen Kliniken und das Universitätsklinikum Heidelberg zu Wort – alles sehr unterschiedliche und individuelle Beispiele für erfolgreiche Finanzierung und Umorganisation von Einrichtungen verschiedener Größenordnung und Trägerschaft. Es gilt wie immer: Viele Wege führen zum Ziel, man muss nur den für sich passenden finden und diesen dann konsequent gehen.

 www.krankenhaus21.de


„Heutiger Versorgungsstandard setzt effektive IT voraus“

Juli 31, 2009
Dr. Björn Kabisch

Dr. Björn Kabisch

Vom Intranet der Elemente – Kodierungsschema und einheitliche Schnittstellen

Die Bedeutung der IT-Systeme und die Informationsdichte im Krankenhaus haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Welche Herausforderungen und Chancen birgt diese Entwicklung für Leistungserbringer? Michael Reiter im Gespräch mit Dr. Björn Kabisch, verantwortlich für Forschung und Entwicklung am Zentrum für Informations- und Kommunikationstechnologie des Universitätsklinikums Jena.

Management & Krankenhaus:

Worin liegt die strategische Bedeutung dieses Wandels?

Dr. Björn Kabisch: Ohne ein effektives IT-Management ist der Qualitätsstandard der medizinischen Versorgung, den wir heute in der Maximalversorgung erreicht haben, nicht denkbar. So stehen die Ergebnisse einer radiologischen Untersuchung Sekunden nach Befunderstellung durch die Fachabteilung am Krankenbett zur Verfügung; eine Veränderung der verordneten Medikamente in der elektronischen Krankenakte wird sofort von der Zentralapotheke registriert und bei der nächsten für diesen Patienten individuell zusammengestellten Lieferung berücksichtigt.

Bei 250.000 Behandlungen im Jahr alleine im Universitätsklinikum Jena ist klar, dass es sich um ein gewaltiges Datenaufkommen handelt, das in einem heterogenen IT-Umfeld besonders zuverlässig verarbeitet werden muss. Da die Aufgabenstellungen für die IT in den verschiedenen Funktionseinheiten einer Klinik sehr komplex und heterogen sind, steht die klinikumsinterne IT vor der Herausforderung, die vielen hoch spezialisierter Anwendungen unterschiedlicher Hersteller zu koordinieren. Nur so lassen sich die durch die Digitalisierung ermöglichten Synergien nutzen und beispielsweise alle Informationen in einer elektronischen Patientenakte zusammenführen. Durch zunehmend von der IT vernetzte und moderierte Prozesse hat die fachlich versierte und leistungsfähige klinikumsinterne IT an strategischer Bedeutung gewonnen. Es wäre sicherlich fahrlässig, die entstandenen Abhängigkeiten zu unterschätzen.

Vor welcher Aufgabenstellung sehen sich die Krankenhäuser jetzt?

Kabisch: Unsere wichtigste Herausforderung besteht darin, die kontinuierlich zunehmenden medizinischen Möglichkeiten – mit stagnierenden oder sinkenden finanziellen Ressourcen – zum Wohle unserer Patienten zu nutzen. Was wie ein Paradox klingt, kann nur durch Effizienzsteigerung und kritisches Abwägen der eingesetzten Mitte gelingen. Ziel ist es, die nachgewiesen wirkungsvollste Therapie möglichst frühzeitig und effizient anzuwenden.

Die klinikumsinterne IT wirkt hier vielfältig unterstützend: Beispielsweise kann ein optimierter Informationsfluss zwischen den Funktionseinheiten die Zeit, die bis zu einer effektiven Behandlung vergeht, stark verkürzen, und eine sinnvolle Dokumentation aller Behandlungsschritte kann die rentable Abrechnung mit den Leistungsträgern sicherstellen. Auch ermöglicht die Anbindung anonymisierter Datenquellen an medizinische Benchmark-Server (z.B. unser www.quips-projekt.de) die Verbesserung und ständige Überwachung der Behandlungsqualität. Das Reservoir an IT-unterstützten Optimierungsmöglichkeiten scheint auf absehbare Zeit unerschöpflich.

Sie sprechen – im Gegensatz zum Internet der Dinge – vom Intranet der Elemente. Was verstehen Sie darunter?

Kabisch: Damit sich über mehrere Funktionseinheiten hinweg Optimierungspotentiale ausschöpfen lassen, ist eine wichtige Aufgabe der klinikumsinternen IT, für ein gemeinsame ‚Sprache’ – also ein Kodierungsschema der Informationselemente – und für einheitliche robuste Schnittstellen aller IT-Systeme im ‚Mikrouniversum Klinikum’ zu sorgen.

Ich spreche nicht von Dingen, da es sich in unserem Fall häufig auch um Menschen handelt. Wenn wir ein Untersuchungsergebnis einem Patienten sicher zuordnen wollen, brauchen wir in der Datenbank sowohl eine ‚Identität’ der Untersuchung, als auch eine eindeutige Kennung für jeden Patienten. Von Intranet spreche ich, um deutlich zu machen, dass wir nicht auf eine große weltweite Lösung warten können, sondern im Hier und Jetzt beginnen müssen – und das nicht mit einem proprietären Ansatz, sondern auf der Basis internationaler ISO-Empfehlungen.

Was wir anstreben, ist eine pragmatische ‚Lingua Franca’ und keine ungemein komplizierte Universalsprache.

Sobald all diese Hausaufgaben erledigt sind – wie hat man sich das System Klinik dann vorzustellen?

Kabisch: Nicht nur deutlich komplexere Vernetzungsszenarien werden denkbar, auch für die schon realisierte Vernetzung von Informationen ergeben sich enorme Vorteile. Wenn alle lokalen IT-Anwendungen mittelfristig eine ‚Sprache’ sprechen, also die Kodierung von Informationen und die Schnittstellengestaltung vereinheitlicht sind, kann auch das heterogene Gefüge aus hunderten Spezialanwendungen effektiv zusammenarbeiten.

Der Aufwand für die Schnittstellengestaltung und die Abhängigkeit von individuell erstellten Integrationskonzepten sinkt, die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems steigt. So vorbereitet kann die klinikumsinterne IT den sicherlich auch in Zukunft steigenden Erwartungen gerecht werden.

www.med.uni-jena.de

Veranstaltung im Kontext

Unser Interviewpartner und weitere renommierte Experten sprechen im Rahmen des Healthcaretages 2009. Qualität, Patientensicherheit und Effizienz im Gesundheitswesen stehen auf der Tagesordnung. Die Veranstaltung zeigt Lösungen zur Bewältigung fehlerbehafteter und unwirtschaftlicher Abläufe auf.

Termin: 27. Oktober

Ort: Frankfurt/Main

Veranstalter: EHIBCC – European Health Industry Business Communication Council

Programm und Anmeldung: www.healthcaretag.de


Medizinischer Fortschritt durch Vernetzung

Juli 4, 2009

 

Stolz auf das Erreichte: Schlüsselakteure aus BMBF, Medizinnetzen und TMF

Stolz auf das Erreichte: Schlüsselakteure aus BMBF, Medizinnetzen und TMF

Zum „Zehnjährigen“: Kompetenznetze ziehen positive Bilanz

Seit Ende der Neunziger fördert das BMBF medizinische Netzwerke zu Krankheitsbildern wie Krebs, Herzkrankheiten und Schlaganfall. Die Ziele lauten: Wissen, auch interdisziplinär, bündeln; exzellente Gesundheitsforschung ermöglichen; Ergebnisse rascher in die Anwendung in Klinik und Praxis bringen. Informations- und Kommunikationstechnik erleichtert dabei signifikant die effiziente Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. – Im Juni nahmen die Netze ihr Jubiläum zum Anlass für einen Rückblick und Ausblick.

„Die Kompetenznetze in der Medizin leisten einen wichtigen Beitrag für den medizinischen Fortschritt in Deutschland“ – diese Worte von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, fassen die Einschätzung des Förderers zusammen. Das Ministerium gibt daher auch künftig Geld: weitere 300 Mio € fließen bis 2020 in die Arbeit der Netze. Deren Tätigkeitsspektrum reicht von der Grundlagenforschung über die klinische und epidemiologische Forschung bis zur Einrichtung von Registern und Biomaterialbanken. Die Vernetzung führender Experten ermöglichte „herausragende Ergebnisse in der klinischen Forschung“, so ein Sprecher. Herausragende Erfolge sind beispielsweise in der Pädiatrischen Onkologie zu verzeichnen: Durch die enge Kooperation können heute fast 80% der rund 2.000 Kinder in Deutschland geheilt werden, die jährlich neu von Leukämie oder einer anderen Krebserkrankung betroffen sind. – Die Therapieoptimierungsstudien im Rahmen der Netze bringen seit der AMG-Novellierung, so wurde in Berlin deutlich, einen deutlich höheren bürokratischen Aufwand mit sich; eine Vielzahl von Referenten sprach sich gegen die „übertriebene Kontrolle“ aus.

„Bench to bedside“

Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich nur schneller in die medizinische Versorgung bringen, indem spezialisierte Ärzte aus dem stationären und ambulanten Bereich mit Wissenschaftlern und Patienten zusammenarbeiten. Das Kompetenznetz Schizophrenie liefert ein gutes Beispiel: Gemeinsam mit dem nervenärztlichen Berufsverband und Praxen wurde ein computergestütztes, leitlinienbasiertes System entwickelt, das Ärzte bei der Therapieentscheidung unterstützt. Bereits nach 16 Monaten orientierten sich die teilnehmenden Ärzte stärker an den Leitlinien, was sich positiv auf den Therapieerfolg auswirkt. – Auch die Information der Bürger und Patienten spielt bei den Netzen eine wichtige Rolle.

Eine Schlüsselrolle für IT

Als 1999 die ersten Netze entstanden, zeigte sich, dass die patientenorientierte Forschung an verteilten Standorten Herausforderungen beim Sammeln von Daten und Materialien sowie deren IT-gestützter Dokumentation, Auswertung und Weitergabe mit sich bringt. Um die organisatorischen, rechtlich-ethischen und technologischen Probleme zu lösen, haben sich zahlreiche Forschungsverbünde in der TMF (Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze) zusammengeschlossen, die heute rund 70 Verbünde zu ihren Mitgliedern zählt. Die in ihren Arbeitsgruppen gemeinsam erarbeiteten Produkte und Services erleichtern der biomedizinischen Forschergemeinschaft die Arbeit und sparen dadurch Zeit und Kosten. Heute können die Wissenschaftler über die TMF beispielsweise Checklisten für Qualitätsmanagement und Patienteneinwilligungen, standardisierte Verfahrensanleitungen (SOPs) für klinische Studien, IT-Werkzeuge, Rechtsgutachten sowie Musterverträge nutzen. Dadurch kommen sie schneller zu hochwertigen Resultaten.

Nachhaltige Ergebnisse

Die leistungsfähige Infrastruktur soll auch über die Förderung der einzelnen Netze hinaus von Nutzen sein: Datensammlungen, Patientenregister und Biomaterialbanken dienen langfristig der Forschung. – „Die Kompetenznetze haben einen Kulturwandel der medizinischen Forschung in Deutschland angestoßen“, resümierte Dr. Gabriele Hausdorf vom Referat Gesundheitsforschung im BMBF. „Die Wissenschaftler haben gelernt, an einem Strang zu ziehen.“ „Auf das Erreichte sind wir stolz, doch die Entwicklung geht weiter“, unterstrich Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch. Der der TMF-Vorstandsvorsitzende schreibt der Verbundforschung eine Schlüsselfunktion für Patientenversorgung und Forschungsstandort zu.


DGTelemed jetzt mit NRW-Landesverband

Juni 26, 2009

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) hat Mitte Juni als Höhepunkt des Symposiums „Telemedizin in Europa“ ihren Landesverband Nordrhein-Westfalen gegründet. Er ist – nach Berlin-Brandenburg – die zweitstärkste Gruppe in der Gesellschaft.

Mitglieder sind unter anderem PHTS Telemedizin, das Städtische Krankenhaus Maria Hilf (Brilon) und Fonium Deutschland, Bonn sowie zahlreiche Mediziner und Unternehmensvertreter aus NRW. Zu Sprechern für das Bundesland wurden in der Gründungsversammlung in Bad Oeynhausen Rainer Beckers, Geschäftsführer im Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG), und Armin Gärtner, Sana Medizinisches Servicezentrum GmbH, Sachverständiger für Medizintechnik und Telemedizin, gewählt. Der Landesverband NRW wird sich bei der Umsetzung der Landesinitiative eGesundheit.nrw engagieren und Telemedizinaktivitäten der Mitglieder begleiten und unterstützen.

Der Gründung ging im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen ein Symposium mit Fokus auf aktuelle europäische Entwicklungen der Telemedizin voraus. Die Teilnehmer der Veranstaltung „Telemedizin in Europa“ waren sich über die Vorteile des begleitenden Einsatzes von Telemedizin einig: Sie ermöglicht nicht nur eine verbesserte Patientenversorgung, sondern kann Impulse für innovative wirtschaftliche Entwicklungen in den Gesundheitssystemen der EU geben.

Die DGTelemed und das ZTG zeigten sich als Veranstalter zufrieden. Dr. Stephan Schug, European Health Telematics Association (EHTEL), stellte zu Beginn die Ziele und Programme der europäischen Kommission vor. Er verwies dabei auch auf eine gemeinsame Presseerklärung der DGTelemed und der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitstelematik (DGG) von Anfang des Jahres, in der Bundesregierung und Bundesländer aufgerufen wurden, die Empfehlung der Europäischen Kommission zur Telemedizin zügig umzusetzen.

Neben einem Überblick über den weltweiten Einsatz der Telemedizin durch Prof. Dr. jur. Dr. rer. Pol. Joachim Häcker (Universität Heidelberg) informierten Priv.-Doz. Dr. med. Heinrich Körtke (IFAT Institut für angewandte Telemedizin) und Gabriele Schulz (SVA SanaSphere) über aktuelle Beispiele, wie mit Hilfe von Telemedizin eine optimale Therapiebegleitung erreicht werden kann. Mit dem Wunsch, positive Effekte insbesondere für die Gesundheitsversorgung im Land fruchtbar zu machen, ist das erklärte Ziel des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums die flächendeckende Verbreitung telemedizinischer Anwendungen und Services.

Hierzu stellte ZTG-Geschäftsführer Beckers als eine wichtige Maßnahme des Aktionsprogramms zur Förderung der Telemedizin die Einrichtung einer Modellregion Telemedizin in Ostwestfalen-Lippe vor. Ziel der Modellregion ist es, mit allen am Versorgungsprozess beteiligten Akteuren gemeinsame Lösungen zu finden und ein telemedizinisches Versorgungsnetz aufzubauen.

Rolle der Landesverbände

Die DGTelemed wird in den Bundesländern durch Landesverbände vertreten. Sie sind rechtlich unselbständige organisatorische Untergliederungen der Gesellschaft. Der jeweilige Landesverband ist Ansprechpartner für Landesregierungen und weitere Institutionen, und er bietet Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Unternehmen die Expertise der DGTelemed auf dem Gebiet der Telemedizin an. Erklärtes Ziel ist, mit gemeinsamen Kräften telemedizinische Ansätze besser voranzutreiben. „Die Telemedizin ist der Innovationsmotor in unserem Gesundheitswesen. Wer dies jetzt erkennt, profitiert schon früh von diesem Entwicklungstrend“, erläuterte Beckers die Motivation der ZTG, die Telemedizin nun auch gemeinsam mit dem DGTelemed-Landesverband zu befördern.


Weiterer Regionalverband der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling

Juni 26, 2009

Im April fand in Neumünster die konstituierende Sitzung des Regionalverbandes Nord der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM) statt. Zu seinem Vorsitzenden wurde Dr. med. Frank Reibe gewählt. Er wird von Dr. Malte Raetzell (stellvertretender Vorsitzender des Regionalverbandes Nord) und fünf Beiräten in seiner Arbeit unterstützt.

Der neue DGfM-Regionalverband ergänzt das Angebot der bestehenden Regionalverbände Mitteldeutschland, Nordost, Rhein-Neckar, Süddeutschland und Westdeutschland. Mit seiner Gründung „geben wir unseren Vereinsmitgliedern im Norden Deutschlands die Möglichkeit, den Informationsaustausch, die Fort- und Weiterbildung und die gemeinsame Erarbeitung von Problemlösungsstrategien im Medizincontrolling in regionalen Strukturen wahrzunehmen“, erläuterte Heike Scheer, Kaufmännische Leiterin der DGfM.

Dr. Frank Reibe

Dr. Frank Reibe

Dr. Malte Raetzell

Dr. Malte Raetzell


„Zehnjähriges“ der Netzwerke

Juni 9, 2009

Experten vernetzen, Patienten informieren und Forschungsergebnisse schneller in die Praxis bringen ­- mit diesen Zielen schließen sich seit 1999 Wissenschaftler, Ärzte und Patientenorganisationen in medizinischen Kompetenznetzen zusammen. In jenem Jahr wurden die ersten neun deutschen Kompetenznetze und die Dachorganisation TMF (Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e. V.) gegründet. Die Netzwerke feiern ihr zehnjähriges Jubiläum am 11. Juni in Berlin mit einer Festveranstaltung und geben einen Ausblick auf die Zukunft.

Veranstaltungsort: dbb forum berlin, Friedrichstraße 169/170, 10117 Berlin; Zeit: 11. Juni 2009, ab 11.00 Uhr – http://www.tmf-ev.de.


In Memoriam Jürgen Sembritzki

Februar 5, 2009

* 15. Mai 1954       † 28. Januar 2009

* 15. Mai 1954 † 28. Januar 2009

Jürgen Sembritzki, der Geschäftsführer der ZTG (Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen), ist am Mittwoch, den 28. Januar 2009, plötzlich und unerwartet verstorben. Dies teilte die Pressestelle des Unternehmens heute mit. Er hat sich stets unermüdlich und mit höchstem Engagement für die ZTG eingesetzt und sie zu einem in Deutschland anerkannten Kompetenzzentrum gemacht. Sein Name wird immer verbunden bleiben mit dem Projekt der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Mit großem Erfolg brachte er dabei auch sein internationales Ansehen als Standardisierungs-Experte ein.

Dr. Manfred Zipperer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der ZTG, würdigte in einem Nachruf Sembritzkis Einsatz für die Telemedizin und die Modernisierung des Gesundheitswesens.

 

 


Lust und Frust

Oktober 24, 2008

Heilen und Helfen sind die Kardinaltugenden von Ärzten und Apothekern, Pflegedienstleistenden oder auch Funktionären im Gesundheitswesen. Bei Erfolg stellt sich dann im Regelfall ein hoher Lustgewinn ein, denn was sollte es Schöneres und Befriedigenderes geben, als Mitmenschen auf dem Weg zur Besserung zu sehen und dabei mitgewirkt zu haben? Also pure Lust. Doch schon seit längerem macht sich Frust breit. Krankenkassen gehen am Krückstock, Krankenhäuser schreiben Defizite, Krankenschwestern sind Lohndumping ausgesetzt und Ärzte stöhnen unter immer neuen Verwaltungsvorschriften, die ihnen jene Zeit stehlen, die für Patienten fehlt.

Einig wie selten sind sich alle Ursachenforscher allerdings, warum der jetzige Zustand des angeblich besten und ziemlich teuren Gesundheitswesens auf Gottes Erdboden so unbefriedigend erscheint. Ein Jahrzehnte lang liebevoll gepflegter Flickenteppich aus Partikularinteressen, politischer Einflussnahme und Selbstbedienungsmentalität hat die deutsche Medizin in eine Sackgasse geführt. Immer stärker auf Details versessene politische Vorgaben haben das System verkompliziert, ja teilweise unsteuerbar gemacht. Verwaltung statt Heilen, Formularkrieg statt Helfen, Frust statt Lust.

Auswüchse, die zu einem unkontrollierbaren Wildwuchs führten, machen die Struktur letztlich kaputt. Den Herausforderungen zeigt sich eine in diesem Fachbereich regierungsunfähige, weil sich selbst paralysierende große Koalition nicht mehr gewachsen. Und vom Gesundheitsfonds ist nur zu erwarten, dass alles teuer wird und nichts einfacher, was de facto auf die schlechteste aller Varianten hinausläuft. Da wäre Weiterwursteln bis zu Neuwahlen mit einer dann hoffentlich klaren Richtungskompetenz die bessere Lösung. Denn, Hand aufs Herz, das ministerielle Weglächeln der Probleme nutzt herzlich wenig, sondern erzeugt beim staunenden Publikum nur Frust ohne Lust.

Eva Britsch

In der nächsten Ausgabe der Management & Krankenhaus erfahren Sie wieder Interessantes rund um den Klinikalltag – ob Medizintechnik, Pharma, Diagnostik oder Management-Lösungen – unser Redaktionsteam wirft einen Blick auf aktuelle Themen, lässt Experten zu Wort kommen und informiert Sie passend zur Medica mit einer extra umfangreichen Ausgabe: Welche Vorteile bringt eine PPP-Finanzierung? Wie bewährt sich die HPV-Impfung in der Praxis? Was gibt’s Neues zur elektronischen Gesundheitskarte? Erscheinungstermin ist der 14. November 2008!


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