
Medlounge 2009: "An Telemedizin führt kein Weg vorbei" (Foto MR)
Medlounge-Diskussion zur Telemedizin – Neues zu KIS/RIS/PACS
Im Sande verlaufende Piloten, über die Republik verstreute Inselprojekte, hürdenreiche Rahmenbedingungen insbesondere beim Datenschutz sowie die alles überragende Frage nach der Finanzierung – die Telemedizin ist noch lange nicht im Versorgungsalltag angekommen. Dieses Fazit zogen kürzlich Redner und Branchenpublikum auf der medlounge-Veranstaltung am Vorabend des KIS-RIS-PACS- und DICOM-Treffens in Mainz. Die Verantwortlichen im Gesundheitswesen sind aufgefordert, diesen modernen Technologien den Weg zu ebnen.
Langfristig führt an den Ansätzen kein Weg vorbei – da ist sich Holger Strehlau, Sprecher der Geschäftsführung HSK Rhein-Main und Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, sicher: Der Versorgungsauftrag lässt sich in Zukunft aufgrund der allbekannten demographischen Entwicklung und der resultierenden Budgetsituation nur unter Mitnutzung von Telemedizin erfüllen. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal macht diesen Ausweg notwendig. „Die Politik wird künftig Regelungen schaffen, die beispielsweise die neurologische Versorgung ganzer Regionen durch ein Konsortium von Leistungsanbietern vorsehen. Hierfür ist der Austausch von Befunden und Daten mittels Telemedizin notwendig“, prognostizierte Strehlau. Schon jetzt lässt sich in einer bemerkenswerten Zahl von Fällen eine Einlieferung ins Krankenhaus vermeiden, wenn man sich für die Option des Telemonitoring entscheidet. „Was wir brauchen, ist ein standardisierter, qualifizierter Austausch von Daten“, so Strehlau weiter.
Die bestehenden Brüche in der Datenübertragung beleuchtete auch Prof. Peter Mildenberger. Hierzulande, stellte der GeSIT-Geschäftsführer zur Diskussion, fehlt noch immer die notwendige Infrastruktur – in anderen europäischen Ländern „ist man da bereits weiter“. Dr. Robert Porcher, Ärztlicher Direktor der Emma Klinik in Seligenstadt und weiterer Diskutant im Schloss Waldthausen, betonte allerdings: Telemedizinische Anwendungen stellen keine geeignete Lösung dar, da sie nicht den direkten Kontakt zum Patienten ersetzen können. Er konterte außerdem: „Jede neue Technik verteuert die medizinische Versorgung. Telemedizin wird die Medizin nicht billiger machen.“ Telemedizin wird bezahlbar – so VHitG-Geschäftsführer Andreas Kassner – sobald man endlich aufhört, in Sektoren zu denken. Allerdings – die Erwartungshaltung, die Krankenkassen würden in Bezug auf die Telemedizin in Vorleistung gehen, hat sich nicht erfüllt.
Erschwert wird der Technologie-Einsatz ferner durch die Maßnahmen zum Datenschutz. Sie führen bei den Behandlern zu erheblichem Aufwand, postulierte Dr. Porcher. Bringt die Zukunft den Einklang von Datenschutz und Fortschritt? Kassner zeigte sich zuversichtlich; nicht zuletzt gilt es, die Vernetzung mit dem Behandelten zu verbessern – laut Kassner ein mit Telemedizin erreichbares Ziel. Auch der Wettstreit um die Akzeptanz beim Patienten bleibt noch zu gewinnen.
KIS/RIS/PACS- und DICOM-Treffen
Zum „deutschsprachigen Symposium rund um das Thema Bildmanagement für Anwender, Medizininformatiker und Firmen“ kamen in diesem Jahr deutlich über 200 Teilnehmer – rund 10 % mehr als im Vorjahr, so die Veranstalter. Prof. Peter Mildenberger, Radiologe und Leiter des Bildmanagementbereichs beim Veranstalter Universitätsmedizin Mainz, resümiert die aktuelle Situation in der Radiologie: „Wir verzeichnen ein zunehmendes Interesse an der Nutzung von Bilddatenkompression – aufgrund der Konsensuskonferenz und Unterstützung von Behördenseite lässt sie sich inzwischen auch klinisch einsetzen. Viele PACS-Anbieter sind bereits darauf vorbereitet.“ Die regionale Vernetzung schreitet voran, somit steigt das Interesse an der Nutzung interoperabler Systeme deutlich; Prof. Mildenberger: „die internationale IHE-Initiative findet daher seitens der IT-Leiter und Medizininformatiker verstärkt Wahrnehmung.“ – Für die Akzeptanz von E-Health-Anwendungen in Klinik und Praxis, dies wurde auf der Veranstaltung klar, ist der medizinische Nutzen relevant – d. h. die Unterstützung des Informationsaustauschs (insbesondere hinsichtlich Befunden und Bilddaten). Der Vortrag von Dr. Remy Demuth aus Luxemburg lieferte hier konkrete Anwendungsbeispiele.
Die meisten Vorträge des KIS/RIS/PACS- und DICOM-Treffens sind im pdf-Format unter http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Radiologie/agit/veranstaltung/frameset_veranstaltung.htm verfügbar.