August 26, 2009

Quo vadis Krankenhausfinanzierung?

Momentan ist die Überlebensfähigkeit vieler Kliniken in Frage gestellt. Der Innovations- und Investitionsdruck steht vielfach im krassen Gegensatz zu den Finanzierungsmöglichkeiten der einzelnen Einrichtungen. Mit diesem Dilemma beschäftigt sich der Kongress „Krankenhausfinanzierung“, der am 12. und 13. Oktober in Mainz stattfindet.

Die Kliniken stehen momentan vor dem Problem, dass öffentliche Mittel und Bankkredite immer knapper werden oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Es ist also für viele Klinkleiter und -betreiber an der Zeit, sich auf die Suche nach alternativen Finanzierungsformen zu machen. Allerdings sind die Erfahrungen mit diesen Instrumenten häufig noch sehr dünn und auch nicht immer von Erfolg gekrönt.

Trotzdem oder gerade deshalb gilt: „Gerade ein kommunales Krankenhaus muss heute jede Chance ergreifen, die sich bietet – und sei es ein neuer Weg wie PPP, der noch weitgehend unerprobt ist. Pionierarbeit ist selten ohne Risiko, aber eben manchmal notwendig“, sagt Dr. Julia Hefty, Geschäftsführerin der Hochtaunus-Kliniken. Sie wird auf dem Kongress ihr Public Private Partnership Projekt innerhalb eines Krankenhaus-Neubaus vorstellen und über die Erfahrungen berichten.

Hiermit wird schon klar, dass es nicht nur um Finanzierung im engeren Sinne, sondern auch um Gesamtausrichtung, Geschäfts- und Trägermodelle, Spezialisierung, Konzentration, Kooperationen, Zusammenschlüsse und (Teil-)Privatisierung geht und gehen kann.

Unter Moderation von Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff vom Zentrum für Krankenhausmanagement werden auf dem Kongress mehrere erfolgreiche Projekte in diesem Zusammenhang vorgestellt. So kommen neben den Hochtaunus-Kliniken noch das St. Elisabethen-Hospital Beckum, das Klinikum Saarbrücken, die HSK-Gruppe, die Märkischen Kliniken und das Universitätsklinikum Heidelberg zu Wort – alles sehr unterschiedliche und individuelle Beispiele für erfolgreiche Finanzierung und Umorganisation von Einrichtungen verschiedener Größenordnung und Trägerschaft. Es gilt wie immer: Viele Wege führen zum Ziel, man muss nur den für sich passenden finden und diesen dann konsequent gehen.

 www.krankenhaus21.de


“Die bessere Zukunft ist unvermeidbar”

August 1, 2009
Medlounge 2009: "An Telemedizin führt kein Weg vorbei" (Foto MR)

Medlounge 2009: "An Telemedizin führt kein Weg vorbei" (Foto MR)

Medlounge-Diskussion zur Telemedizin – Neues zu KIS/RIS/PACS

Im Sande verlaufende Piloten, über die Republik verstreute Inselprojekte, hürdenreiche Rahmenbedingungen insbesondere beim Datenschutz sowie die alles überragende Frage nach der Finanzierung – die Telemedizin ist noch lange nicht im Versorgungsalltag angekommen. Dieses Fazit zogen kürzlich Redner und Branchenpublikum auf der medlounge-Veranstaltung am Vorabend des KIS-RIS-PACS- und DICOM-Treffens in Mainz. Die Verantwortlichen im Gesundheitswesen sind aufgefordert, diesen modernen Technologien den Weg zu ebnen.

Langfristig führt an den Ansätzen kein Weg vorbei – da ist sich Holger Strehlau, Sprecher der Geschäftsführung HSK Rhein-Main und Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, sicher: Der Versorgungsauftrag lässt sich in Zukunft aufgrund der allbekannten demographischen Entwicklung und der resultierenden Budgetsituation nur unter Mitnutzung von Telemedizin erfüllen. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal macht diesen Ausweg notwendig. „Die Politik wird künftig Regelungen schaffen, die beispielsweise die neurologische Versorgung ganzer Regionen durch ein Konsortium von Leistungsanbietern vorsehen. Hierfür ist der Austausch von Befunden und Daten mittels Telemedizin notwendig“, prognostizierte Strehlau. Schon jetzt lässt sich in einer bemerkenswerten Zahl von Fällen eine Einlieferung ins Krankenhaus vermeiden, wenn man sich für die Option des Telemonitoring entscheidet. „Was wir brauchen, ist ein standardisierter, qualifizierter Austausch von Daten“, so Strehlau weiter.

Die bestehenden Brüche in der Datenübertragung beleuchtete auch Prof. Peter Mildenberger. Hierzulande, stellte der GeSIT-Geschäftsführer zur Diskussion, fehlt noch immer die notwendige Infrastruktur – in anderen europäischen Ländern „ist man da bereits weiter“. Dr. Robert Porcher, Ärztlicher Direktor der Emma Klinik in Seligenstadt und weiterer Diskutant im Schloss Waldthausen, betonte allerdings: Telemedizinische Anwendungen stellen keine geeignete Lösung dar, da sie nicht den direkten Kontakt zum Patienten ersetzen können. Er konterte außerdem: „Jede neue Technik verteuert die medizinische Versorgung. Telemedizin wird die Medizin nicht billiger machen.“ Telemedizin wird bezahlbar – so VHitG-Geschäftsführer Andreas Kassner – sobald man endlich aufhört, in Sektoren zu denken. Allerdings – die Erwartungshaltung, die Krankenkassen würden in Bezug auf die Telemedizin in Vorleistung gehen, hat sich nicht erfüllt.

Erschwert wird der Technologie-Einsatz ferner durch die Maßnahmen zum Datenschutz. Sie führen bei den Behandlern zu erheblichem Aufwand, postulierte Dr. Porcher. Bringt die Zukunft den Einklang von Datenschutz und Fortschritt? Kassner zeigte sich zuversichtlich; nicht zuletzt gilt es, die Vernetzung mit dem Behandelten zu verbessern – laut Kassner ein mit Telemedizin erreichbares Ziel. Auch der Wettstreit um die Akzeptanz beim Patienten bleibt noch zu gewinnen.

KIS/RIS/PACS- und DICOM-Treffen

Zum „deutschsprachigen Symposium rund um das Thema Bildmanagement für Anwender, Medizininformatiker und Firmen“ kamen in diesem Jahr deutlich über 200 Teilnehmer – rund 10 % mehr als im Vorjahr, so die Veranstalter. Prof. Peter Mildenberger, Radiologe und Leiter des Bildmanagementbereichs beim Veranstalter Universitätsmedizin Mainz, resümiert die aktuelle Situation in der Radiologie: „Wir verzeichnen ein zunehmendes Interesse an der Nutzung von Bilddatenkompression – aufgrund der Konsensuskonferenz und Unterstützung von Behördenseite lässt sie sich inzwischen auch klinisch einsetzen. Viele PACS-Anbieter sind bereits darauf vorbereitet.“ Die regionale Vernetzung schreitet voran, somit steigt das Interesse an der Nutzung interoperabler Systeme deutlich; Prof. Mildenberger: „die internationale IHE-Initiative findet daher seitens der IT-Leiter und Medizininformatiker verstärkt Wahrnehmung.“ – Für die Akzeptanz von E-Health-Anwendungen in Klinik und Praxis, dies wurde auf der Veranstaltung klar, ist der medizinische Nutzen relevant – d. h. die Unterstützung des Informationsaustauschs (insbesondere hinsichtlich Befunden und Bilddaten). Der Vortrag von Dr. Remy Demuth aus Luxemburg lieferte hier konkrete Anwendungsbeispiele.

Die meisten Vorträge des KIS/RIS/PACS- und DICOM-Treffens sind im pdf-Format unter http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Radiologie/agit/veranstaltung/frameset_veranstaltung.htm verfügbar.