
Stolz auf das Erreichte: Schlüsselakteure aus BMBF, Medizinnetzen und TMF
Zum „Zehnjährigen“: Kompetenznetze ziehen positive Bilanz
Seit Ende der Neunziger fördert das BMBF medizinische Netzwerke zu Krankheitsbildern wie Krebs, Herzkrankheiten und Schlaganfall. Die Ziele lauten: Wissen, auch interdisziplinär, bündeln; exzellente Gesundheitsforschung ermöglichen; Ergebnisse rascher in die Anwendung in Klinik und Praxis bringen. Informations- und Kommunikationstechnik erleichtert dabei signifikant die effiziente Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. – Im Juni nahmen die Netze ihr Jubiläum zum Anlass für einen Rückblick und Ausblick.
„Die Kompetenznetze in der Medizin leisten einen wichtigen Beitrag für den medizinischen Fortschritt in Deutschland“ – diese Worte von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, fassen die Einschätzung des Förderers zusammen. Das Ministerium gibt daher auch künftig Geld: weitere 300 Mio € fließen bis 2020 in die Arbeit der Netze. Deren Tätigkeitsspektrum reicht von der Grundlagenforschung über die klinische und epidemiologische Forschung bis zur Einrichtung von Registern und Biomaterialbanken. Die Vernetzung führender Experten ermöglichte „herausragende Ergebnisse in der klinischen Forschung“, so ein Sprecher. Herausragende Erfolge sind beispielsweise in der Pädiatrischen Onkologie zu verzeichnen: Durch die enge Kooperation können heute fast 80% der rund 2.000 Kinder in Deutschland geheilt werden, die jährlich neu von Leukämie oder einer anderen Krebserkrankung betroffen sind. – Die Therapieoptimierungsstudien im Rahmen der Netze bringen seit der AMG-Novellierung, so wurde in Berlin deutlich, einen deutlich höheren bürokratischen Aufwand mit sich; eine Vielzahl von Referenten sprach sich gegen die „übertriebene Kontrolle“ aus.
„Bench to bedside“
Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich nur schneller in die medizinische Versorgung bringen, indem spezialisierte Ärzte aus dem stationären und ambulanten Bereich mit Wissenschaftlern und Patienten zusammenarbeiten. Das Kompetenznetz Schizophrenie liefert ein gutes Beispiel: Gemeinsam mit dem nervenärztlichen Berufsverband und Praxen wurde ein computergestütztes, leitlinienbasiertes System entwickelt, das Ärzte bei der Therapieentscheidung unterstützt. Bereits nach 16 Monaten orientierten sich die teilnehmenden Ärzte stärker an den Leitlinien, was sich positiv auf den Therapieerfolg auswirkt. – Auch die Information der Bürger und Patienten spielt bei den Netzen eine wichtige Rolle.
Eine Schlüsselrolle für IT
Als 1999 die ersten Netze entstanden, zeigte sich, dass die patientenorientierte Forschung an verteilten Standorten Herausforderungen beim Sammeln von Daten und Materialien sowie deren IT-gestützter Dokumentation, Auswertung und Weitergabe mit sich bringt. Um die organisatorischen, rechtlich-ethischen und technologischen Probleme zu lösen, haben sich zahlreiche Forschungsverbünde in der TMF (Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze) zusammengeschlossen, die heute rund 70 Verbünde zu ihren Mitgliedern zählt. Die in ihren Arbeitsgruppen gemeinsam erarbeiteten Produkte und Services erleichtern der biomedizinischen Forschergemeinschaft die Arbeit und sparen dadurch Zeit und Kosten. Heute können die Wissenschaftler über die TMF beispielsweise Checklisten für Qualitätsmanagement und Patienteneinwilligungen, standardisierte Verfahrensanleitungen (SOPs) für klinische Studien, IT-Werkzeuge, Rechtsgutachten sowie Musterverträge nutzen. Dadurch kommen sie schneller zu hochwertigen Resultaten.
Nachhaltige Ergebnisse
Die leistungsfähige Infrastruktur soll auch über die Förderung der einzelnen Netze hinaus von Nutzen sein: Datensammlungen, Patientenregister und Biomaterialbanken dienen langfristig der Forschung. – „Die Kompetenznetze haben einen Kulturwandel der medizinischen Forschung in Deutschland angestoßen“, resümierte Dr. Gabriele Hausdorf vom Referat Gesundheitsforschung im BMBF. „Die Wissenschaftler haben gelernt, an einem Strang zu ziehen.“ „Auf das Erreichte sind wir stolz, doch die Entwicklung geht weiter“, unterstrich Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch. Der der TMF-Vorstandsvorsitzende schreibt der Verbundforschung eine Schlüsselfunktion für Patientenversorgung und Forschungsstandort zu.