„Heutiger Versorgungsstandard setzt effektive IT voraus“

Juli 31, 2009
Dr. Björn Kabisch

Dr. Björn Kabisch

Vom Intranet der Elemente – Kodierungsschema und einheitliche Schnittstellen

Die Bedeutung der IT-Systeme und die Informationsdichte im Krankenhaus haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Welche Herausforderungen und Chancen birgt diese Entwicklung für Leistungserbringer? Michael Reiter im Gespräch mit Dr. Björn Kabisch, verantwortlich für Forschung und Entwicklung am Zentrum für Informations- und Kommunikationstechnologie des Universitätsklinikums Jena.

Management & Krankenhaus:

Worin liegt die strategische Bedeutung dieses Wandels?

Dr. Björn Kabisch: Ohne ein effektives IT-Management ist der Qualitätsstandard der medizinischen Versorgung, den wir heute in der Maximalversorgung erreicht haben, nicht denkbar. So stehen die Ergebnisse einer radiologischen Untersuchung Sekunden nach Befunderstellung durch die Fachabteilung am Krankenbett zur Verfügung; eine Veränderung der verordneten Medikamente in der elektronischen Krankenakte wird sofort von der Zentralapotheke registriert und bei der nächsten für diesen Patienten individuell zusammengestellten Lieferung berücksichtigt.

Bei 250.000 Behandlungen im Jahr alleine im Universitätsklinikum Jena ist klar, dass es sich um ein gewaltiges Datenaufkommen handelt, das in einem heterogenen IT-Umfeld besonders zuverlässig verarbeitet werden muss. Da die Aufgabenstellungen für die IT in den verschiedenen Funktionseinheiten einer Klinik sehr komplex und heterogen sind, steht die klinikumsinterne IT vor der Herausforderung, die vielen hoch spezialisierter Anwendungen unterschiedlicher Hersteller zu koordinieren. Nur so lassen sich die durch die Digitalisierung ermöglichten Synergien nutzen und beispielsweise alle Informationen in einer elektronischen Patientenakte zusammenführen. Durch zunehmend von der IT vernetzte und moderierte Prozesse hat die fachlich versierte und leistungsfähige klinikumsinterne IT an strategischer Bedeutung gewonnen. Es wäre sicherlich fahrlässig, die entstandenen Abhängigkeiten zu unterschätzen.

Vor welcher Aufgabenstellung sehen sich die Krankenhäuser jetzt?

Kabisch: Unsere wichtigste Herausforderung besteht darin, die kontinuierlich zunehmenden medizinischen Möglichkeiten – mit stagnierenden oder sinkenden finanziellen Ressourcen – zum Wohle unserer Patienten zu nutzen. Was wie ein Paradox klingt, kann nur durch Effizienzsteigerung und kritisches Abwägen der eingesetzten Mitte gelingen. Ziel ist es, die nachgewiesen wirkungsvollste Therapie möglichst frühzeitig und effizient anzuwenden.

Die klinikumsinterne IT wirkt hier vielfältig unterstützend: Beispielsweise kann ein optimierter Informationsfluss zwischen den Funktionseinheiten die Zeit, die bis zu einer effektiven Behandlung vergeht, stark verkürzen, und eine sinnvolle Dokumentation aller Behandlungsschritte kann die rentable Abrechnung mit den Leistungsträgern sicherstellen. Auch ermöglicht die Anbindung anonymisierter Datenquellen an medizinische Benchmark-Server (z.B. unser www.quips-projekt.de) die Verbesserung und ständige Überwachung der Behandlungsqualität. Das Reservoir an IT-unterstützten Optimierungsmöglichkeiten scheint auf absehbare Zeit unerschöpflich.

Sie sprechen – im Gegensatz zum Internet der Dinge – vom Intranet der Elemente. Was verstehen Sie darunter?

Kabisch: Damit sich über mehrere Funktionseinheiten hinweg Optimierungspotentiale ausschöpfen lassen, ist eine wichtige Aufgabe der klinikumsinternen IT, für ein gemeinsame ‚Sprache’ – also ein Kodierungsschema der Informationselemente – und für einheitliche robuste Schnittstellen aller IT-Systeme im ‚Mikrouniversum Klinikum’ zu sorgen.

Ich spreche nicht von Dingen, da es sich in unserem Fall häufig auch um Menschen handelt. Wenn wir ein Untersuchungsergebnis einem Patienten sicher zuordnen wollen, brauchen wir in der Datenbank sowohl eine ‚Identität’ der Untersuchung, als auch eine eindeutige Kennung für jeden Patienten. Von Intranet spreche ich, um deutlich zu machen, dass wir nicht auf eine große weltweite Lösung warten können, sondern im Hier und Jetzt beginnen müssen – und das nicht mit einem proprietären Ansatz, sondern auf der Basis internationaler ISO-Empfehlungen.

Was wir anstreben, ist eine pragmatische ‚Lingua Franca’ und keine ungemein komplizierte Universalsprache.

Sobald all diese Hausaufgaben erledigt sind – wie hat man sich das System Klinik dann vorzustellen?

Kabisch: Nicht nur deutlich komplexere Vernetzungsszenarien werden denkbar, auch für die schon realisierte Vernetzung von Informationen ergeben sich enorme Vorteile. Wenn alle lokalen IT-Anwendungen mittelfristig eine ‚Sprache’ sprechen, also die Kodierung von Informationen und die Schnittstellengestaltung vereinheitlicht sind, kann auch das heterogene Gefüge aus hunderten Spezialanwendungen effektiv zusammenarbeiten.

Der Aufwand für die Schnittstellengestaltung und die Abhängigkeit von individuell erstellten Integrationskonzepten sinkt, die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems steigt. So vorbereitet kann die klinikumsinterne IT den sicherlich auch in Zukunft steigenden Erwartungen gerecht werden.

www.med.uni-jena.de

Veranstaltung im Kontext

Unser Interviewpartner und weitere renommierte Experten sprechen im Rahmen des Healthcaretages 2009. Qualität, Patientensicherheit und Effizienz im Gesundheitswesen stehen auf der Tagesordnung. Die Veranstaltung zeigt Lösungen zur Bewältigung fehlerbehafteter und unwirtschaftlicher Abläufe auf.

Termin: 27. Oktober

Ort: Frankfurt/Main

Veranstalter: EHIBCC – European Health Industry Business Communication Council

Programm und Anmeldung: www.healthcaretag.de


Usabil-IT-Studie zur Anwendbarkeit von IT im Krankenhaus – Erhebungsfrist verlängert

Juli 28, 2009

Rund 140 Kliniken haben bereits an der Usabil-IT-Studie zur Anwendbarkeit von Krankenhaus-IT teilgenommen. Die Laufzeit der Erhebung wurde nun bis zum 1. August verlängert. Klinikleitungen erhalten daher eine weitere Einladung zur Studienteilnahme, die sie innerhalb der Klinik an ihre Mitarbeiter weiterleiten können. Adressaten der Usabil-IT-Studie sind insbesondere Klinikmitarbeiter mit patientennahen Tätigkeiten (Ärztlicher und Pflegerischer Dienst).

Das Ausfüllen des Fragebogens, bei dem Chancen, Stärken und Schwächen der in deutschen Kliniken genutzten Systeme im Mittelpunkt stehen, dauert ca. 15 bis 20 Minuten. Die Ergebnisse der Studie können zum einen als Grundlage für krankenhausinterne Entscheidungen herangezogen, aber auch zu Verbesserungen in der Softwareweiterentwicklung eingesetzt werden.

Die Teilnahme an der Studie erfolgt über einen von zwei möglichen Links: die IT-Anwender können auswählen, ob sie den Fragebogen anonym oder unter einem Pseudonym ausfüllen. Bei der anonymen Teilnahme ist keinerlei Rückschluss auf die Klinik möglich; bei der pseudonymisierten Teilnahme besteht die Option, eine kostenlose individuelle Auswertung der IT-Ausstattung der eigenen Klinik in Bezug zum Referenzkollektiv zu erhalten (Benchmark). Von den bisher rund 140 teilnehmenden Kliniken wählten 22 die Teilnahme über den pseudonymisierten Link.

Datenschutz und Diskretion garantiert

Alle Daten werden streng vertraulich behandelt. Die Rohdaten werden ausschließlich für die Auswertung aufgehoben und sind außer dem Team der Usabil-IT-Studie niemandem zugänglich. Falls die Teilnahme über den pseudonymisierten Link erfolgt, wird die individuelle Auswertung an den IT-Leiter der teilnehmenden Klinik gesendet und die Tabelle nach der Empfangsbestätigung gelöscht. Damit erfolgt jede weitere Speicherung, Auswertung und Archivierung der Daten ohne irgendeinen Personen-, Klinik- oder Herstellerbezug. Sowohl bei der anonymen als auch bei der pseudonymisierten Teilnahme ist keine Verbindung zur teilnehmenden Klinik mehr herstellbar. Die Studie erfolgt gemäß dem ICC/ESOMAR-Kodex.

Die Usabil-IT-Studie wird von der GMDS-AG KAS durchgeführt und vom VHitG unterstützt. Erste Ergebnisse werden im November 2009 auf der Medica vorgestellt; die vollständige Präsentation erfolgt auf der conhIT 2010 in Berlin (20. bis 22. April 2010). Als Dank für die Teilnahme werden unter den Teilnehmern zehn Apple iPod Shuffle verlost.

Weitere Informationen zur Studienteilnahme und zum Datenschutz unter www.usabil-it.de

Interessierte IT-Anwender, die keine Einladung erhalten haben, können direkt mit der Studienleitung in Kontakt treten.

Ansprechpartner für die Studie: Dr. Rainer Röhrig, Studienleiter, Tel. 06 41 / 99 – 444 94, usabil-it@informatik.med.uni-giessen.de.


„Green Hospital“-Projekt gestartet

Juli 28, 2009
Feierlich beging GE Anfang Juli das fünfjährige Jubiläum seines Europa-Forschungszentrums nahe München. Neben dem Rückblick auf aktive Jahre setzte die Zusammenarbeit des Anbieters mit einer großen Klinikgruppe einen perspektivischen Schwerpunkt.
Vertragsunterzeichnung: Der Um- und Neubau der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg wird vollständig unter ökologischen Gesichtspunkten geplant und gestaltet.

Vertragsunterzeichnung: Der Um- und Neubau der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg wird vollständig unter ökologischen Gesichtspunkten geplant und gestaltet.

Asklepios und GE kooperieren für mehr Nachhaltigkeit

„Green Hospital“ lautet der Name eines umfassenden Kooperationsprojekts für mehr Nachhaltigkeit im deutschen Gesundheitswesen: Der Um- und Neubau der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg wird „als erster Pilot in Europa vollständig unter ökologischen Gesichtspunkten geplant und gestaltet“, wie bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages in Garching verlautete. Mit der Fertigstellung rechnet man für 2013.

„In Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern planen und gestalten wir Gesundheitseinrichtungen, mit denen es uns gelingen kann, den Energieverbrauch zu senken, Wasserreserven zu schützen, erneuerbare Energien zu gewinnen, die Luftqualität zu verbessern, Abfall zu vermeiden sowie die Produktivität der Mitarbeiter und die Patientenzufriedenheit zu steigern,“ so Jeff Immelt, Chairman & CEO von GE. Angesichts knapper werdender natürlicher Ressourcen und steigender Kosten gewinnen nachhaltiger und umweltbewusster Bau und Betrieb auch im Gesundheitssektor zunehmend an Bedeutung. Das Projekt „Green Hospital“ berücksichtigt – laut den Vertragspartnern als erstes in Europa – die Komplexität sämtlicher ökologischen Aspekte. Neben dieser engen Kooperation steht GE in Kontakt mit weiteren Partnern innerhalb und außerhalb Europas.

Die Ziele erfordern ein vielschichtiges Maßnahmenkonzept; GE verfügt in verschiedenen Geschäftsbereichen über die nötigen Technologien. „Das [Forschungszentrum] in München bietet den Vorteil, dass hier neue Technologien entwickelt und getestet werden können“, unterstrich Immelt. Dazu zählen Lösungen wie Kraft-Wärme-Kälteanlagen, Solartechnik für die Wärme- und Kältegewinnung, energieeffiziente Medizintechnik, Beleuchtungskonzepte sowie Systeme für die Wasseraufbereitung.

Integratives Konzept

Das Projekt basiert auf einem mehrdimensionalen Ansatz: der Verbindung von Ökologie, Ökonomie und dem Wohlbefinden der Menschen in einem Krankenhaus. „`Green Hospital´ ist ein integratives Konzept, das sich die Synergien zwischen Innovation, technologischem Fortschritt und dem verantwortlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen zunutze macht“, erläuterte Dr. Tobias Kaltenbach, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Asklepios Kliniken. „Alle Maßnahmen aus den Bereichen Baukonstruktion, Energiewirtschaft, Medien, Licht, Steuerungssysteme sowie Hygiene und Arbeitssicherheit greifen eng ineinander“, fügte Dr. Rolf Lucas, President & CEO GE Healthcare in Deutschland, hinzu. Die erforderlichen Investitionen sollen sich innerhalb von drei bis sechs Jahren amortisieren.


„Am Puls der Pandemie“

Juli 6, 2009

Amalga: Verdachtsfälle verfolgen, Bedrohungen einschätzen

In Deutschland war Anfang Juli die Gesamtzahl an Fällen der Neuen Grippe (Influenza A/H1N1, „Schweinegrippe“) auf mehr als 500 gestiegen. Seit Mitte Juni gilt die WHO-Phase 6; mit weiteren Erkrankungen muss gerechnet werden, so das Robert Koch Institut (RKI). Einen Automatismus bei den Aktivitäten bringt die WHO-Festlegung nicht mit sich: „Die bereits etablierten Maßnahmen und Krisenreaktionsstrukturen in Deutschland werden fortgeführt, bei Bedarf intensiviert und an neue Situationen angepasst“, so das RKI. Mit welchen Werkzeugen bleiben Leistungserbringer mit Verdachtsfällen „am Puls der Pandemie“? In den USA nutzt man eine IT-Lösung von Microsoft.

Ursprünglich von Klinikern des Washington Hospital Center in Washington, D.C., entwickelt, erlaubt diese Software das Aggregieren und Analysieren spezifizierbarer Daten. Hierzu werden die einzelnen Silos – Inseln – verfügbarer Informationen im Krankenhaus aufbereitet und dem Nutzer zur Beurteilung und Entscheidungsfindung zur Verfügung gestellt. Der Vorteil: Auf Führungsebene lassen sich Antworten auf Fragen leichter, rascher und sicherer geben; Prozesse können optimiert, Ressourcen besser genutzt und Kosten optimal gemanagt werden.

Westküsten-Krankenhaus hat Fälle unter Kontrolle

Das El Camino-Krankenhaus im nördlichen Kalifornien – „The Hospital of the Silicon Valley“ – wendet die Lösung aktuell an, um Fälle mit Verdacht auf Neue Grippe zu managen. Innerhalb weniger Stunden, so schreibt Dr. Bill Crounse, Senior Director, Worldwide Health bei Microsoft, in seinem Blog, adaptierten die Kliniker im El Camino einige Datenfelder von Amalga, um die erkrankungsspezifischen Informationen aus Notaufnahme und Intensivstation sammeln, pflegen und zur Entscheidungsunterstützung nutzen zu können. Es entstand ein Dashboard, das diesem Leistungserbringer in Echtzeit ein Nachhalten des Fallverlaufs, ein Beurteilen der Bedrohung und ein rasches strukturiertes Handeln bei Bestätigung von Fällen erlaubt. Die Flexibilität und die Anpassungsfähigkeit der Software an organisatorische Anforderungen fanden im El Camino ein positives Echo.

Vorteile auf kommunaler Ebene

Microsoft plant laut dem Blog, seinen weiteren Amalga-Kunden aus dem Healthcare-Bereich Hinweise für die Anpassung an diesen Zweck an die Hand zu geben; besonders vorteilhaft wäre dies dort, wo die Lösung Einsatz zur Sammlung klinischer Daten auf Stadt- und Kreisebene findet. Ein Beispiel liefert die Wisconsin Health Information Exchange in Milwaukee: Mehr als ein Dutzend Krankenhäuser nutzen in diesem nördlichen Bundesstaat bereits in Zusammenarbeit das Softwaresystem für ihre Notfallaufnahmen und Intensivstationen; die Ziele umfassen die Optimierung der Qualität und die Reduktion von Kosten. – Deutsche Leistungserbringer können sich hier zur Anwendung der Lösung im Umfeld der Neuen Grippe informieren.


Medizinischer Fortschritt durch Vernetzung

Juli 4, 2009

 

Stolz auf das Erreichte: Schlüsselakteure aus BMBF, Medizinnetzen und TMF

Stolz auf das Erreichte: Schlüsselakteure aus BMBF, Medizinnetzen und TMF

Zum „Zehnjährigen“: Kompetenznetze ziehen positive Bilanz

Seit Ende der Neunziger fördert das BMBF medizinische Netzwerke zu Krankheitsbildern wie Krebs, Herzkrankheiten und Schlaganfall. Die Ziele lauten: Wissen, auch interdisziplinär, bündeln; exzellente Gesundheitsforschung ermöglichen; Ergebnisse rascher in die Anwendung in Klinik und Praxis bringen. Informations- und Kommunikationstechnik erleichtert dabei signifikant die effiziente Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen. – Im Juni nahmen die Netze ihr Jubiläum zum Anlass für einen Rückblick und Ausblick.

„Die Kompetenznetze in der Medizin leisten einen wichtigen Beitrag für den medizinischen Fortschritt in Deutschland“ – diese Worte von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, fassen die Einschätzung des Förderers zusammen. Das Ministerium gibt daher auch künftig Geld: weitere 300 Mio € fließen bis 2020 in die Arbeit der Netze. Deren Tätigkeitsspektrum reicht von der Grundlagenforschung über die klinische und epidemiologische Forschung bis zur Einrichtung von Registern und Biomaterialbanken. Die Vernetzung führender Experten ermöglichte „herausragende Ergebnisse in der klinischen Forschung“, so ein Sprecher. Herausragende Erfolge sind beispielsweise in der Pädiatrischen Onkologie zu verzeichnen: Durch die enge Kooperation können heute fast 80% der rund 2.000 Kinder in Deutschland geheilt werden, die jährlich neu von Leukämie oder einer anderen Krebserkrankung betroffen sind. – Die Therapieoptimierungsstudien im Rahmen der Netze bringen seit der AMG-Novellierung, so wurde in Berlin deutlich, einen deutlich höheren bürokratischen Aufwand mit sich; eine Vielzahl von Referenten sprach sich gegen die „übertriebene Kontrolle“ aus.

„Bench to bedside“

Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich nur schneller in die medizinische Versorgung bringen, indem spezialisierte Ärzte aus dem stationären und ambulanten Bereich mit Wissenschaftlern und Patienten zusammenarbeiten. Das Kompetenznetz Schizophrenie liefert ein gutes Beispiel: Gemeinsam mit dem nervenärztlichen Berufsverband und Praxen wurde ein computergestütztes, leitlinienbasiertes System entwickelt, das Ärzte bei der Therapieentscheidung unterstützt. Bereits nach 16 Monaten orientierten sich die teilnehmenden Ärzte stärker an den Leitlinien, was sich positiv auf den Therapieerfolg auswirkt. – Auch die Information der Bürger und Patienten spielt bei den Netzen eine wichtige Rolle.

Eine Schlüsselrolle für IT

Als 1999 die ersten Netze entstanden, zeigte sich, dass die patientenorientierte Forschung an verteilten Standorten Herausforderungen beim Sammeln von Daten und Materialien sowie deren IT-gestützter Dokumentation, Auswertung und Weitergabe mit sich bringt. Um die organisatorischen, rechtlich-ethischen und technologischen Probleme zu lösen, haben sich zahlreiche Forschungsverbünde in der TMF (Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze) zusammengeschlossen, die heute rund 70 Verbünde zu ihren Mitgliedern zählt. Die in ihren Arbeitsgruppen gemeinsam erarbeiteten Produkte und Services erleichtern der biomedizinischen Forschergemeinschaft die Arbeit und sparen dadurch Zeit und Kosten. Heute können die Wissenschaftler über die TMF beispielsweise Checklisten für Qualitätsmanagement und Patienteneinwilligungen, standardisierte Verfahrensanleitungen (SOPs) für klinische Studien, IT-Werkzeuge, Rechtsgutachten sowie Musterverträge nutzen. Dadurch kommen sie schneller zu hochwertigen Resultaten.

Nachhaltige Ergebnisse

Die leistungsfähige Infrastruktur soll auch über die Förderung der einzelnen Netze hinaus von Nutzen sein: Datensammlungen, Patientenregister und Biomaterialbanken dienen langfristig der Forschung. – “Die Kompetenznetze haben einen Kulturwandel der medizinischen Forschung in Deutschland angestoßen”, resümierte Dr. Gabriele Hausdorf vom Referat Gesundheitsforschung im BMBF. “Die Wissenschaftler haben gelernt, an einem Strang zu ziehen.” „Auf das Erreichte sind wir stolz, doch die Entwicklung geht weiter“, unterstrich Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch. Der der TMF-Vorstandsvorsitzende schreibt der Verbundforschung eine Schlüsselfunktion für Patientenversorgung und Forschungsstandort zu.


„Klare Strukturen und klare Prozesse ermöglichen“

Juli 2, 2009
Will einen klaren Rahmen für Dokumentenmanagement und Archivierung in Krankenhäusern schaffen: Leitung der GMDS-Arbeitsgruppe

Will einen klaren Rahmen für Dokumentenmanagement und Archivierung in Krankenhäusern schaffen: Leitung der GMDS-Arbeitsgruppe

GMDS-Arbeitsgruppe entwickelt Grundlagen für Archive

Für alle, die mit dem Bereich Dokumentenmanagement und Archivierung in Krankenhäusern zu tun haben, einen klaren Rahmen zu schaffen: Zu diesem Ziel organisierte Ende Juni die Arbeitsgruppe „Archivierung von Krankenunterlagen“ der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) einen Workshop-Tag.

Fast 50 IT-Leiter, Dokumentare, Archivverantwortliche, IT-Anbieter und Berater kamen nach Berlin, um gemeinsam diese Basisarbeit für drei aktuelle Aufgabengebiete zu leisten:

• Archivordnungen – Erarbeitung einer Musterarchivordnung

• IT-Sicherheit in digitalen Archiven – Erarbeitung eines Leitfadens

• Archivierung strukturierter Daten – Wie werden diese beweissicher elektronisch aufbewahrt?

Technische Muster, Richtlinien und Empfehlungen zu diesen Themen sollten erarbeitet, inhaltliche Schwerpunkte festgelegt werden. Volkmar Eder, Leiter der Arbeitsgruppe und verantwortlich für das Archiv am Universitätsklinikum Tübingen, resümierte: „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg – insbesondere deshalb, weil sich bei der Identifikation und Erörterung von Fragestellungen und Lösungsansätzen alle Teilnehmer wahrgenommen fühlten.“ Als positive Erfahrung werteten sie die gemeinschaftliche, zielorientierte Ausarbeitung und Ausgestaltung einer ersten Ergebniszusammenfassung.

Archivordnung

Anhand einer Mustervorlage des Landesdatenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein wurden die erforderlichen Hauptkapitel einer Standard-Archivordnung spezifiziert, ergänzt bzw. gestrichen. Insgesamt arbeitete die Gruppe neben einer Präambel zehn Hauptkapitel bzw. Paragraphen aus und vervollständigte, modifizierte oder strich in den jeweiligen Kapiteln die entsprechenden Texte und Vorgaben. Nicht berücksichtigt werden konnten aus zeitlichen Gründen die Vorgaben und Richtlinien zu digitalen Archivierungs- und Signaturverfahren und das Handling digitaler Akten.

IT-Sicherheit in digitalen Archiven

Verfügbarkeit und Fehlerfreiheit sind Voraussetzungen für rechnerunterstützte Dokumentenmanagement- und Archivierungssysteme. Zu gewährleisten sind somit insbesondere Datensicherungen, Ausfallsicherung und IT-Absicherung aller zentralen Komponenten, Monitoring der DV-Betriebsprozesse sowie die Ordnungsmäßigkeit und Revisionssicherheit der digitalen Dokumente. Unberechtigte Löschungen, Einfügungen und Modifikationen archivierter Dokumente im Datenbanksystem müssen verhindert werden, eine Zertifizierung durch eine neutrale Institution (z. B. TÜVit) ist von Vorteil.

Ziel dieses Workshops war es, alle sicherheitsrelevanten Bedürfnisse und Maßnahmen für den digitalen Archivbereich in einem Leitfaden zusammenzustellen. In dem Workshop konnte hierfür bereits eine Vielzahl von Empfehlungen erarbeitet werden.

Archivierung strukturierter Daten

Die Datenformatsprache XML gewinnt zunehmend an Bedeutung; insbesondere Metadaten liegen heute schon vielfach in XML vor, zunehmend werden aber auch Daten und Dokumente mit XML-basierten Standards direkt in diesem Format ausgetauscht. Somit ist XML als Format für die elektronische Archivierung in Betracht zu ziehen. – Nach Darstellung der Teilnehmer wurden die erwarteten Ziele des Workshops erreicht: Erste Rahmenrichtlinien und Handlungsempfehlungen für die beweissichere Archivierung von XML-Dokumenten und sonstigen strukturierten Daten wurden erstellt.

Dass sich innerhalb eines Tages keine umfassenden und abschließenden Arbeitspapiere realisieren lassen würden, war klar. Jedoch, so Eder, „gab es in den Workshop-Teams mehrheitlich die Bereitschaft, die begonnene Arbeit fortzusetzen.“ Die weitere Planung der Organisatoren und Teams sieht vor, per E-Mail-Kommunikation den ersten Entwurf bzw. die ersten Ergebnisse von allen Teilnehmern der jeweiligen Workshops ergänzen und anpassen zu lassen und ggf. in weiteren gemeinschaftlichen Sitzungen eine endgültige Fassung zu erarbeiten. Geplant ist die Präsentation verabschiedeter Endversionen im Rahmen der Archivtage am 9. und 10. Dezember in den Städtischen Kliniken München. Danach werden die Papiere für die Archiv- und IT-„Community“ veröffentlicht.