Lust und Frust

Heilen und Helfen sind die Kardinaltugenden von Ärzten und Apothekern, Pflegedienstleistenden oder auch Funktionären im Gesundheitswesen. Bei Erfolg stellt sich dann im Regelfall ein hoher Lustgewinn ein, denn was sollte es Schöneres und Befriedigenderes geben, als Mitmenschen auf dem Weg zur Besserung zu sehen und dabei mitgewirkt zu haben? Also pure Lust. Doch schon seit längerem macht sich Frust breit. Krankenkassen gehen am Krückstock, Krankenhäuser schreiben Defizite, Krankenschwestern sind Lohndumping ausgesetzt und Ärzte stöhnen unter immer neuen Verwaltungsvorschriften, die ihnen jene Zeit stehlen, die für Patienten fehlt.

Einig wie selten sind sich alle Ursachenforscher allerdings, warum der jetzige Zustand des angeblich besten und ziemlich teuren Gesundheitswesens auf Gottes Erdboden so unbefriedigend erscheint. Ein Jahrzehnte lang liebevoll gepflegter Flickenteppich aus Partikularinteressen, politischer Einflussnahme und Selbstbedienungsmentalität hat die deutsche Medizin in eine Sackgasse geführt. Immer stärker auf Details versessene politische Vorgaben haben das System verkompliziert, ja teilweise unsteuerbar gemacht. Verwaltung statt Heilen, Formularkrieg statt Helfen, Frust statt Lust.

Auswüchse, die zu einem unkontrollierbaren Wildwuchs führten, machen die Struktur letztlich kaputt. Den Herausforderungen zeigt sich eine in diesem Fachbereich regierungsunfähige, weil sich selbst paralysierende große Koalition nicht mehr gewachsen. Und vom Gesundheitsfonds ist nur zu erwarten, dass alles teuer wird und nichts einfacher, was de facto auf die schlechteste aller Varianten hinausläuft. Da wäre Weiterwursteln bis zu Neuwahlen mit einer dann hoffentlich klaren Richtungskompetenz die bessere Lösung. Denn, Hand aufs Herz, das ministerielle Weglächeln der Probleme nutzt herzlich wenig, sondern erzeugt beim staunenden Publikum nur Frust ohne Lust.

Eva Britsch

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Eine Antwort zu „Lust und Frust“

  1. aboensch sagt:

    Sie haben die handelnden Akteure im Gesundheitswesen sehr pointiert daregstellt. Als Arzt, Krankenpfleger und Krankenhausökonom bin ich gerade an verschiedenen Brennpunkten (Krankenhaus, Praxis, MDK) tätig und immer mit Partikularinteressen konfrontiert. Das DRG-System an sich ist ein gutes System dahingehend, dass es den Beginn von Transparenz im Krankenhaus markiert, einen Anstoss zur Überarbeitung tradierter Prozesse und zur Differenzierung der Diagnostik und Therapie von Patientenströmen gibt. Jedoch ist das System, nicht zuletzt unter dem Kostensenkungsdruck meiner Meinung nach und der Meinung von Prof. Roeder, noch nicht hinreichend differenziert. Insbesondere in der Hochleistungsmedizin, der Pädiatrie oder auch in der Behandlung geriatrischer Patienten ist die Finanzierung noch lückenhaft, die Kalkulation noch zu wenig fundiert. Im Rahmen einer weiteren Entwicklung müssen noch mehr Krankenhäuser in die Kalkulation, aber insbesondere noch mehr Krankenhäuser als bisher ihr alltägliches Tun hinterfragen. Nur für diejenigen, die Casemanagement und Riskmanagement auf der Fall-, der Beziehungs- und der Systemebene leben, die in eine Multiprofessionalisierung ihrer Mitarbeiter investieren und die sich mit anderen Akteuren (Sozialstationen, Niedergelassenen Ärzten und anderen Therapeuten) vernetzen, gibt es in diesem System eine realistische Zukunft. Gleichzeitig sind im Rahmen der Pharmaindustrie und der Medizintechnologie die sog. Inmnovationen kritisch zu hinterfragen. Die flächendeckende Einführung einer elektronische Patientenakte, einer Standardisierung der KIS-Systeme, sowie deren bessere Handhabbarkeit wären wirkliche Innovationen, die sich positiv auf die tägliche Arbeit auswirken können. Der jetzige Alltag sind vielfältige Schnittstellenprobleme mit teuren Insellösungen, überforderten Anwendern und einer frustrierten IT-Abteilung. Hier sollte man ebenso ansetzen, wie bei der Mündigkeit des Patienten, für den Prävention eigentlich eine SElbverständlichkeit sein sollte.

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